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chuck, kurt und ich.

31. August 2006 von herr vogel

Nachdem die August-Ausgabe des deutschen Rolling Stone jetzt schätzungsweise zwei Wochen auf meinem Schreibtisch gelegen hat, fand ich zwischen all den langsam nervigen Theaterstücken endlich mal die Zeit, ein bisschen drin zu lesen. Das Johnny Depp-Interview war wider Erwarten sogar ganz okay, wenn man vom beschissenen Schreibstil des Interviewers Mark Binelli absieht, der filmtechnischen Sachverstand gerne mit Egowichsen verwechselt… (Neulich beim Frühstück mit Gore Verbinski… / Jerry Bruckheimer und Ich…). Ich bin ja eigentlich weg vom Rolling Stone-lesen, aber neben dem Üblichen und Jonathan Lethems Monsterbericht über James Brown war der eigentliche Kaufgrund das abgedruckte Kapitel „Der vorletzte Tag“ aus Chuck Klostermans Eine zu 85% wahre Geschichte (sogar ganz passabel übersetzt wie’s scheint).

Chuck Klosterman war mir bisher nur als Bruder im Geiste aus dem Booklet zur genialen Dazed & Confused-Criterion bekannt („I have watched Dazed and Confused approximately sixty-five times, and I have been stoned for approximately sixty-four of those experiences.”). Herr Klosterman ist 34, Mitglied, Zeitzeuge und Kritiker der Generation X, schreibt Bücher über Musik und alles Drumherum, und wäre wohl der Blogger zu enden alle Blogger, würden sich seine Bücher nicht so scheißgut verkaufen. Und das nicht ohne Grund. Wer es schafft, dass ich überhaupt noch irgendwas über Kurt Cobain lese, dann muss es schon so ehrlich, unironisch und lesenswert sein wie Klostermans Bericht. Mit einem trockenen Humor einen gesamten Mythos ignoriert und karikiert, ohne dass man ihm dafür böse sein könnte.

“Pearl Jam galt als Band für alle; Nirvana galt als die Band die ihre eigenen Anhänger hasste. […] Es war weit verbreitet, Kurt Cobain für einen egozentrischen Nörgler zu halten – wenn es ihm nicht passe, berühmt zu sein, so hieß es immer wieder, solle er doch einfach für immer von der Bildfläche verschwinden. Was er dann auch tat. Und augenblicklich veränderte sich alles für alle.“

Irgendwann eine Dekade des Hypes später kam da ein Kerl namens Gus van Sant und drehte einen schlechten Film namens Last Days, der aber immerhin etwas Gutes an sich hatte: Er trat den Nirvana-Fans genauso vors Schienbein wie Kurt Cobain seinerzeit.

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