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feel free to masturbate
Nach unten

ein leises hurra.

31. August 2006 von herr vogel

Seitdem ich 16 bin warte ich darauf, dass ich irgendwann alt genug bin, um Millencolins »Twenty Two« authentisch mitsingen zu können. Das wäre dann jetzt; bzw. schon länger, aber man vergisst ja immer soviel. Heute scheinen viele der Songzeilen, die man mit Edding an die Wände schrieb und über die man sich lange Jugendzeiten hinweg definiert hat (»Stranger in a strange land, thats what I am«, Opportunismus Olé!), irgendwie so weit weg, nicht mehr wahr und nur eine peinliche Erinnerung vergangener, verwirrter Zeiten. Das wussten zwar auch schon Millencolin: »My life is just another cliché« (Twenty Two), aber die vertonen ohnehin jede noch so abgedroschene Vor- oder Einstellung, und man ignoriert ja, was einem nicht gefällt.

Und so stellte man sich damals vor, wie es heute sein wird: »I’m twenty two, so far away from all my dreams / I’m twenty two, feeling blue«. Das machte einen glücklich, weil man halt nicht alleine war mit dem Alleinesein. Und so sollte das halt immer weitergehen, das Versager-Image (das mir ja heute immernoch gut gefällt) schützt einen davor, mit dem wirklichen Scheiß da draußen konfrontiert zu werden. Aber auf der anderen Seite, weil man älter wurde und eine leise Ahnung von Welt/Leben/Frauen bekam, drosselt man die depressiven Phasen (wie jeder andere Mensch auch) auf ein gesundes Minimum, wirft das Selbstmitleid über Bord und kriegt den Arsch endlich mal in den Sattel. So landet man dann in Wien, studiert irgendeinen Quatsch den man in jugendlichem Leichtsinn mal als Traum bezeichnet hat, und ist verwirrter denn je; aber irgendwie ist das einzige, was einem die geliebten Songs von früher noch sagen, dass man einfach froh und dankbar sein sollte, keine 16 mehr zu sein.

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