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apropos philip k. dick, a scanner darkly.

25. Oktober 2006 von herr vogel

Im Gegensatz zu den Kollegen Reisner und Grundtner war die Viennale für mich in diesem Jahr eine eher gemütliche Angelegenheit. Neben zwei eher enttäuschenden Musikbiokonzertfilmdingern und dem neuen von Robert Altman war leider nur Zeit für Richard Linklaters Philip K. Dick-Adaption A Scanner Darkly – aber die war dafür umso besser:

Keanu Reeves – A Scanner Darkly

Per Rotoskopieverfahren animierte Linklater wie bereits zu Waking Life vor ein paar Jahren die real gefilmten Spielszenen, und schuf damit eine eigenwillige Optik, deren unruhiges, verfremdetes Bild eben nicht nur optisch was hermacht, sondern vor allem zu Dicks literarischer Vorlage passt: Linklater zeigt eine verfremdete Welt, betrachtet durch die allgegenwärtigen Scanner, dem Personenüberwachungsmittel ihres Vertrauens im Los Angeles der nahen Zukunft.
In dieser Welt stolpert Protagonist Keanu Reeves als Undercover-Polizist durch die isolierte Welt der Designerdroge Substance D, bis die Grenzen zwischen Realität und Einbildung vollkommen verschwimmen.

Der Film zeigt beide Seiten dieser Drogenwelt: Das Unterhaltsame und das Durchgeknallte, sowie den Ernst und den Wahnsinn, zu dem das alles führt. Dick verarbeitete in der Vorlage seine persönlichen Drogenerfahrungen und verstrickt seine Charaktere in eine finstere Zukunftsvision um staatliche Kontrolle und aus ständiger Überwachung gewachsene Paranoia. Dahingehend funktioniert Linklaters Adaption hervorragend, denn es gelingt ihm, diese unwirkliche und beunruhigende Atmosphäre angemessen auf die Leinwand zu übertragen. Dank der kritischen Betrachtung dieser durchaus realistischen Zukunft wird aus A Scanner Darkly schlussendlich mehr als ein Drogenkrimi mit unterhaltsamen Zwischensequenzen – Linklater gelang ein nachdenklicher, intelligenter und am Ende schlichtweg trauriger Film über unser zunehmend unfreies Leben und die Versuche einer Flucht daraus.

»What does a scanner see? Into the head? Down into the heart? Does it see into me? Into us? Clearly or darkly?«

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