Die Brigade | blog-briga.de

feel free to masturbate
Nach unten

Und warum wir es trotzdem tun

22. November 2006 von LeisureLorence

blubb
Picture by KnOizKi,under CreativeCommons

In seiner Abrechnung mit der Blogosphäre zeigte uns Vogel mit Verve, was ihm am Bloggen stinkt. Flexo brachte die Problematik gewohnt zielsicher auf den Punkt:

Bloggen ist cool. Nur Blogger stinken meist.
In so ner Welt, wo jeder seine Meinung kundtun kann, wird/wurde halt schnell offensichtlich, dass die meisten Leute einfach nix zu erzählen haben.

Dem Rundumschlag folgt jetzt die Streicheleinheit (bzw. -leider- unbezahlte Werbung). Denn es gibt sie, die lesenswerten Blogs, die den Besucher für seine Zeit reichlich entlohnen.

Zum einen hätten wir Grow or Go. Dieses Blog führt Reiner Fakeman. Fakeman ist Patrick Bateman 2.0 (ich weiß, ich weiß, aber für jeden Eintrag ohne zwonull bekomme ich Stromschläge direkt in meine Augäpfel):

There is an idea of a Patrick Bateman; some kind of abstraction. But there is no real me: only an entity, something illusory. And though I can hide my cold gaze, and you can shake my hand and feel flesh gripping yours and maybe you can even sense our lifestyles are probably comparable … I simply am not there (Bret Easton Ellis – American Psycho).

Fakeman ist nicht real, sondern ein nettes Projekt der Wirtschaftswoche, das testet, inwiefern sich eine fiktive Gestalt in der virtuellen Welt überhaupt von einer realen unterscheidet und wie schnell sich eine solche Gestalt in den einschlägigen Netzwerken etabliert. Da hat wohl jemand S1m0ne gesehen. Das Blog selbst liefert Unterhaltsames aus der Wirtschaftswelt 2.0 (s.o.), z.B. über die sog. »1-Prozent-Regel», nach der nur 1 Prozent der User den Content generieren, 10 Prozent mit ihm agieren und 89 Prozent einfach nur konsumieren.

Ein ähnlich erfrischender, schnörkelloser Themenblog ist Psychologie des Alltags, das Alltagsphänome mit Hilfe psychologischer Erkenntnisse durchleuchtet und mit Verweisen auf empirische Studien unterfüttert. Und bei weitem interessanter geschrieben, als ich es hier darstellen kann. Also, selber nachlesen!

Nun gut, diese beiden Blogs sind schon einem größeren Kreis bekannt und jetzt nicht unbedingt Geheimtipps.

Zum Glück gibt es aber noch unsere beiden Neulinge in der Blogroll, die einer Vorstellung zum einen bedürfen, sie zum anderen auch vollauf verdienen.

Der Erbauung und spirituellen Reinigung seiner Leser verschreibt sich uns Guru in Gurus Ashram (Den Genitivapostroph unterschlag ich einfach mal) und offeriert trocken: »Alles. Mehr nicht.« Man darf jetzt schon gespannt sein.

Das Yang zum eben vorgestellten Yin präsentiert Mr. Eddy: Die Gegenseite.

Dieses Blog ist Ressentiment als Überwindung der Ratio mit ihren eigenen Mitteln. Da kommt der Spaß von ganz alleine, wenn dem Leser direkt der Krieg erklärt wird:

Was das hier soll? Sag du´s mir. Ich schreib hier vor mich hin, du bist derjenige, der es liest, also bedank dich lieber dafür, dass du Einblicke in den Geist eines Menschen erhälst, der aller Wahrscheinlichkeit nach intelligenter ist als du.

Bei regelmäßiger Fütterung könnte das Zeug zum Kultblog haben. Remember where you saw it first!

Kommentarfunktion ist deaktiviert