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I, 4 – Ich bitte um Ihre Konsternation!

27. Dezember 2006 von LeisureLorence

Was bisher geschah: 1, 2, 3.

Aufschub! Verzögerung!

Nachdem ich schon den ersten Satz meines kleinen Geschichte in zweiten Kapitel noch einmal revidieren musste, fällt mir jetzt auf, dass ich noch gar kein Motto habe, unter dessen Ägide das Werk gedeihen und wachsen kann.

Was wundere ich mich also, dass die Arbeit nicht vorankommt, ohne die unterstützende Wirkung eines Sinnspruches.

Aber ich werde diesen Mangel nun kompensieren.

Zum einen muss ein literarisches oder philosophisches Zitat deutlich machen, dass der Autor über die nötige Tiefe verfügt, so dass sich ihm auch der anspruchsvolle Leser gerne anvertraut und er etwas Kredit genießt, falls er sich in den ersten Seiten völlig in irgendwelchen Schwachsinn verheddert (soll ja vorkommen).

Pestens geeignet scheint mir dafür folgende Sentenz aus den »Wahlverwandtschaften« von Goethe:

Das Außerordentliche geschieht nicht auf glattem, gewöhnlichem Wege.

Nun besteht natürlich die Gefahr, dass der Freund der leichten Unterhaltung bei einem betonschweren Einstieg (am besten irgendwas auf Altgriechisch oder Latein ohne Übersetzung) verschreckt den Wälzer beiseite legt und ohne ihn zur Kasse geht.

Und da ich ja Niedrigschwelligkeit auf meine Fahnen geschrieben habe, steuere ich natürlich ein Zitat aus der Populärkultur bei, dass so verspielt witzig ist, dass es wiederum den Intellektuellen, dem zuvor das Literaturzitat so gemundet hat, nicht wieder verschreckt.

Perfektomundo dieses Bonmot, dass Leonard Nimoy in der Simpsons-Episode »The Springfield Files« zum Besten gibt:

The following tale of alien encounters is true. And by true, I mean false. It’s all lies. But they’re entertaining lies. And in the end, isn’t that the real truth? The answer is: No.

Nun ist eine solche Mischung aus Wissen und Humor natürlich geeignet, den potentiellen Leser glauben zu machen, das Werk sei gefühlskalt. Nichts gilt es mehr zu vermeiden als diesen Eindruck, denn damit handelt man sich schwere Einbußen innerhalb einer wichtigen Untergruppierung des relevanten Marktsegments der 14-49jährigen ein, nämlich den Frauen. Und glaubt man den gängigen Studien, dann können eigentlich nur die Frauen überhaupt noch lesen, so dass sie natürlicherweise Zielgruppe Numero uno für ein literarisches Projekt darstellen. Also muss ein kitschiges Eingangszitat von vornherein klarmachen, dass bei der Lektüre des Werkes das Gefühl nicht zu kurz kommt. Das sollte kein Problem sein, schließlich bin ich doch überaus sensibel und einfühlsam (denn das bringt die Bitches ans Gerät).

Ein geeignetes Zitat hierfür drängt sich im Film »2046″ geradezu auf:

Man erkennt eine verwandte Seele nicht, wenn man sie zu früh trifft. Oder zu spät.

Ich denke, nun ist an alle gedacht, und ich fühle mich gerüstet, die Aufgaben anzupacken, die ich schon seit 4 Kapiteln vor mir herschiebe. Zu Beginn bringe ich Euch eine besondere Episode näher.

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