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danke, anke.

22. Januar 2007 von herr vogel

Anke Gröner fliegt aus meinem RSS-Reader. Deshalb. Habe ich mich in der Vergangenheit schon über vermehrte Spoiler in Frau Gröners Filmkritiken geärgert und nur mehr die Rezensionen zu Filmen gelesen, die ich eh schon gesehen hatte, sehe ich nun langsam gar keinen Grund mehr, sie überhaupt noch zu lesen.


Einerseits praktiziert Frau Gröner eine in den gängigen Medien zunehmend ausgestorbene Form des Journalismus, die ich an und für sich hoch schätze: Die gelebte Subjektivität. Auf der anderen Seite findet sich bei ihr ein anderes, schon eher verbreitetes Phänomen: Es macht den Eindruck, als kriege sie nur eine anständige Filmkritik gebacken, wenn sie Ende und Moral ausplaudert. Und verdirbt jedem den Film. Derlei Filmkritikern zum Dank habe ich im Alter von 16 Jahren aufgehört, größere Filmmagazine zu lesen.
Warum diese Menschen das tun, war mir immer ein Rätsel. Vielleicht wissen sie sonst nichts zu schreiben. Vielleicht lesen sie aber auch selbst so gerne ihre eigenen Ergüsse, dass sie garnicht anders können als eine alles erklärende Filmkritik zu schreiben. Liegt die Kunst der Filmkritik nicht eher darin, die positiven und negativen Aspekte gegeneinander aufzuwiegen, so dass der Leser weiß was ihn erwartet, jedoch ohne ihm das eigentliche Erlebnis vorwegzunehmen? Geht es nicht schlicht um die Begründung, warum ein Film herrlich oder scheiße ist?

Und hier greift wieder die Subjektivität: Jeder sieht einen Film anders. Wer mir glaubhaft vermitteln kann, warum er Bad Boys II für die Mutter aller Filme hält, ist für mich ein zu respektierender Filmkritiker. Vielleicht mit einem fragwürdigen Filmgeschmack, aber in Sachen Filmkritik ist dieser ohnehin Nebensache.

Es freut mich jedoch, dass der Film Frau Gröner am Ende doch noch gefallen hat. Auch wenn sie nicht weiß warum.

2 Reaktionen zu “danke, anke.”

  1. Anke

    Hm. Eigentlich bemühe ich mich, keine Spoiler zu produzieren, nachdem ich dafür schon mal zu Recht einen Rüffel kassiert habe. Ist die Superfreak-Erwähnung schon ein Spoiler? Fand ich nicht. Oder meinst du was anderes?

    Und wenn man nicht mal über die Botschaft — oder wie du es nennst, die Moral — eines Film reden kann, was sollte denn sonst in einer Filmkritik stehen?

  2. vogel

    Das mit der »Superfreak«-Erwähnung ist schwierig find ich, da es ja nur eine Erwähnung ist und nichts weiter beschreibt (wobei da natürlich die Frage aufkommt, warum du es dann überhaupt erwähnst). Allerdings benennst Du ja konkret das Finale des Films – und da frage ich mich halt, warum man sowas macht. Was ich persönlich versuche ist allgemein zu beschreiben, gerade bei Little Miss Sunshine bietet es sich an, weil das Ende ja nicht so schrecklich gewöhnlich ist, um das »Seherlebnis« wie gesagt nicht vorweg zu nehmen. Genau genommen ist die »Superfreak«-Erwähnung wohl kein Spoiler, aber die Überraschung ist doch irgendwie eine kleinere – da man sich das alles aus dem Kontext herleiten kann.

    Was die Botschaft/Moral angeht versuche ich persönlich immer, so viel wie möglich davon rüber zu bringen, ohne zuviel Konkretes zu verraten. Auch wenn man sich dafür vielleicht ein oder zwei gute, richtige Sätze sparen muss.