Die Brigade | blog-briga.de

feel free to masturbate
Nach unten

I, 6 – What a weird way to kick me when I’m down

16. Januar 2007 von LeisureLorence

Was bisher geschah: 1, 2, 3, 4, 5.

Ich muss zugeben, im Bemühen um eine ergebnisoffende und sachorientierte (oder war es ergebnisorientiert und sachoffen?) Literaturproduktion, sauge ich gerade ziemlich Arschhaare. Aber ein wenig ist vorhanden, und da ich auch schon ein Fünftel der geforderten 25 Kapitel fertiggemacht habe, fahre ich einfach frohgemut fort, in der Hoffnung, dass das fertige Werk durch der Hand eines kundigen Lektoren noch zu Bestsellermaterial getrimmt werden wird.

Ich denke, es ist an der Zeit, dass verruchte, verkorkste, nur entfernt menschenähnliche Subjekt dem geneigten Leser vor Augen zu führen, das ich einmal war. Denn nur so entsteht die nötige Fallhöhe oder besser Steighöhe, in der meiner jetzigen Vollkommenheit erst ihre verdiente Wertschätzung zuteil werden kann.

Es müsste immer Musik da sein (Absolute Giganten).

Für mich war sie das. Das Leben war mir eine Mischung aus »Truman Show« und »Verstehen Sie Spaß?« Einerseits war ich mir sicher, dass irgendwo in einem mir verborgenen Studio Ed Harris einen Komponisten – vielleicht wie bei »Truman Show « Philip Glass – anweist, wann er was wie einzuspielen habe. Dabei hatte dieser Regisseur meiner festen Überzeugung nach eine Vorliebe für die unterschwelligen Synthesizerpassagen Angelo Badalamentis, die David Lynch-Filmen zu ihrer bedrohlichen Atmosphäre verhelfen, egal, ob sich auf der Leinwand zum Beispiel einfach nur zwei Liebende küssen.
Das waren die guten Momente.
Dann gab es noch die »Meltdown«-Momente. Dieses Stück von Clint Mansell spielt bei »Requiem for a dream« am Ende, während dem Helden der Arm abgetrennt wird, die Heldin sich vor einem geifernden Mob mit einem Dildo penetrieren lässt, die alte Dame von zwei brutalen Pflegern zwangsernährt wird und der Kumpel im Gefängnis Kartoffeln stampft, bis er bricht.

Zum anderen aber erwartete ich jeden Moment, dass Kurt Felix aus einer Torte spränge und riefe: »Zugegeben, die letzten 15 Jahre Ihre Lebens waren Verarsche! Verstehen Sie Spaß?« Das passierte zwar nie, aber wenn einer dieser Augenblicke kam, verzögerte es meine Reaktion erheblich, dass mir die gellenden Streicher in den Ohren klangen und ich gleichzeitig zu den Seiten hin nach Kurt Felix schielte, ob er nicht endlich ein Einsehen mit mir hätte. Kein Wunder, dass mich die anderen Angestellten des Restaurants, in dem ich kellnerte, für degeneriert, geisteskrank oder beides hielten.

Es stand also insgesamt nicht gut um mich, und es fehlte nicht viel, und diese Zeilen wären Teil einer Therapie in der Geschlossenen. Glücklicherweise aber kam dieser magische Tag, der alles veränderte.
Der Tag, der damit begann, dass mich die Türklingel weckte (so gegen 15 Uhr) und ich zerknautscht und mosernd zur Tür stromerte, anstatt mir durch ein »Verficktnocheins« Luft zu machen, und die Tür aufriss …

Doch so weit sind wir noch lange nicht.

Kommentarfunktion ist deaktiviert