Die Brigade | blog-briga.de

feel free to masturbate
Nach unten

o dover, where art thou?

13. Januar 2007 von herr vogel

Dover – Follow The City Lights

Dover haben ein neues Album veröffentlicht: »Follow The City Lights«. Bisher jedoch nur in ihrer spanischen Heimat, ein VÖ-Termin in Deutschland existiert bisher nicht (meinem Informationsstand zufolge, wobei die angegebene Quelle nicht einmal weiß wie das Album heißt). Auf ihrer offiziellen Website kann man allerdings schon in jeden der zehn Songs reinhören – mit diesem kleinen neonblauen Player unten rechts. Und was soll ich sagen? Ich bin schockiert!


Warum? Man hört es schon beim Opener: Dover folgten dem Trend »den Lichtern der Stadt« und machen jetzt Elektropopscheiße. Generell bin ich ja starker Befürworter von Elektropop, es sei denn es ist Elektropopscheiße und meine alten Helden fangen plötzlich an, derartiges zu machen. Wiegesagt, ich bin schockiert. Woher dieser Wandel von derbst rockenden Gitarrenwänden zu soften Synthie-Melodien? Ich will das nicht. Das macht mir Angst. Auch ein Imagewechsel lässt sich erkennen: Bonbonbunt und wohl frisiert, statt Rock’n Roll und Ohne-Zähneputzen-aus-dem-Haus-gegangen.

Rückblende: Rock Am Ring-Alternastage, 200irgendwas. »Was ist das denn für eine Scheißmusik?«, fragte ein weibliches Mitglied unserer damaligen Truppe. Weitere Ausführungen über die »fette, hässliche Sängerin« und wie man so etwas als Frontfrau einer Band »überhaupt zulassen« kann habe ich mir später in der Wiederholung angehört, denn ich befand mich bereits im Laufschritt auf dem Weg in die vorderen Reihen. Ich musste wissen wer diese Band war und warum ich sie nicht kannte. Die »Dover! Dover! Dover!«-Rufe erklärten ersteres; letzteres stellte sich als persönliches Versäumnis der Güteklasse A heraus. Songs wie »Devil Came To Me«, »The Flame«, »Better Day« und natürlich »Loli Jackson« töten sofort. Beim ersten Hören. Und ich war Erstkontakt-Opfer. Dieser Kombination aus einfach gestrickter, böse treibender Instrumentalisierung und der immer aufs Neue brechenden Stimme von Cristina Llanos konnte man an diesem Nachmittag nur schwer widerstehen. Llanos singt nicht. Sie klagt, fleht und rockt sich die Seele aus dem Leib. Das hatte mehr Eier als alle sechs Rocky-Teile zusammen.
Was mich nun persönlich ärgert ist, dass meine damaligen Begleiterinnen mit ihren Lästereien Recht behielten. Ich fühle mich also höchst persönlich im Stich gelassen. Scheinbar wurde Cristina Llanos in Abmagerungskur auf einen Selbstfindungstrip geschickt und gemeinsam mit dem Rest der Band neu und trendy eingekleidet. Jetzt ist Dover vorzeigbar und eine polierte, chart-taugliche Band wie jede andere (Platz 5 in Spanien). Und machen obendrein Elektropopscheiße. Ich bin deprimiert.

Abgesehen von ein paar netten Melodielinien (die von mir selbstverständlich ignoriert werden, weil ich mir aus genannten Gründen vorgenommen habe, die neuen Dover zu hassen) ist das wunderschöne »Dear McCartney« der wohl einzige Lichtblick des neuen Albums – sofern man das vom Homepage- Reinhören beurteilen kann. Hier singen Llanos und Band hoffentlich nicht ganz ohne die angemessene Ironie:

A couple of stars
And the medicine
And I haven’t heard your tune
If you could make me rock again
Wouldn´t need any help

Couple of rats
And the bloody gin
And I haven’t heard your tune
If you could make me rock again
Wouln´t need any help

Dear McCartney
Let us have your wings
Dear McCartney
Would you like some tea?

Ja, Bitte! Herr McCartney oder Irgendwer: Ich falle auf die Knie,
Make Dover rock again!
Danke.

Kommentarfunktion ist deaktiviert