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I, 7 – auaauaauahilfehilfehilfe

1. Februar 2007 von LeisureLorence

Was bisher geschah: 1, 2, 3, 4, 5, 6.

Ich muss zugeben, meine Schilderung im letzten Kapitel setzt ein wenig vor dem absoluten Tiefpunkt ein. Etwas muss ja auch noch erzählt werden. In Wahrheit gefiel ich mir in meinem Elend nicht schlecht. Ich sah mich als Lebenskünstler, rechnete mir die Verachtung, die mir die Welt zuteil werden ließ, hoch an und zahlte es eben mit gleicher Münze heim. Wenn ich in der Küche so vor mich hinträumte und derweil einen einzigen Teller mit der Spülbürste bearbeite, während ein Kollege in der gleichen Zeit eine ganze Palette Weingläser polierte, an der Theke zwei Bier ausschenkte, drei Phosphatpimmel in die Mikrowelle schob, wenn der Mittagstisch wieder Kartoffelsalat mit Würstchen sein musste, da der Koch mal wieder keine Pfanne halten konnte, und mir dazu eine höhnische Bemerkung zuteil werden ließ, nahm ich das mit der Gelassenheit des wahren Stoikers hin, und freute mich auch noch, dass ich der einzige im Haus war, dessen Begriffsinventar »Stoiker« beinhaltete. Die kleinen Freuden des Losers eben.

Eigentlich störten nur die schon erwähnten Badalamenti-Mansell-Arrangments an den Seitenlinien meiner Wahrnehmung, die ich im nachhinein für einen Ausruf des Unbewussten halte: Das kann ja wohl nicht mein Ernst sein!

Und auch hier hätte sich eine einfache Lösung angeboten: Weniger oder gar keine Filme mehr gucken. Dann hätte sich der Kleister bzw. das Parfüm der Filmkunst, nämlich der Soundtrack, nicht immer wieder vorwitzig in die Wirklichkeit gewagt, und ich hätte mit Mühe und Not eine veritable mangelhafte Servicekraft abgegeben. Mit dem Kleister im Ohr war ich aber nichtmal das. Von Rechts wegen hätte mir der Michelin-Führer die »goldene Schnecke«, den »Elefanten in der Kellerbar« und den »Daumen in der Suppe« am Band in einem Schuhkarton mit brennender Scheiße ins Haus schicken müssen, und das jede Woche.

Aber genausogut könnte man auch uns Doherty-Pete zurufen: »Jung, mach doch mal ein bisserl piano« und hätte die selbe Aussicht auf Erfolg gehabt wie bei dem Versuch, mir meinen damaligen Sauerstoff abzudrehen.

10 Und so kellnerte ich
20 und schaute Filme
30 und kellnerte
40 GOTO 20

Und wie BASIC konnt ich aus diesem Zirkel nur um den Preis eines Systemabsturzes ausbrechen.

Aber, und das soll das Mantra meines kleinen Werks werden, so weit sind wir noch lange nicht.

Noch kellnere ich und schaue Filme und führe kaputte Beziehungen.

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