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I, 9 – Eine Tür

14. März 2007 von LeisureLorence

Was bisher geschah: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8.

FADE IN: INT. WOHNUNGSTÜR

Eine Tür, eine stinknormale 0815-Wohnungstür mit Türspion schwingt nach innen auf. Endlich! Doch zu früh gefreut. Es ist nicht jene Tür, die unser Held in jenem weitweitweit zurückliegenden ersten Kapitel öffnete und damit der Wahrheit teilhaftig wurde, die zu übermitteln dieser zerfaserte Sermon überhaupt begonnen wurde.

Denn der Held steht VOR der Tür und hat offensichtlich geklingelt. Es dürfte also nicht seine Wohnung sein. Der Leser ist also doppelt betrogen, denn um den im letzten Kapitel angekündigten Telefon-Dialog kann es sich ja offensichtlich auch nicht handeln. Kein Fernsprechapparat weit und breit. Dafür ein großer, breit gebauter, fast unverschämt gutaussehender Kerl mit dem selbstsichersten Lächeln der Welt, neben dem unser Held noch verkrampfter, verkorkster, blässlicher ausschaut als sowieso schon.

In der Tür steht eine Musiktherapeutikstudentin im 15. Semester, der einen Namen zu schenken sich nicht lohnt, da sie in dieser Geschichte keine weitere Rolle spielen wird.

Oder in irgendeiner anderen Geschichte.

Jemals.

Sie öffnet, nuschelt so etwas wie einen Gruß, wirft, während sie sich umdreht einen Blick, wie ihn ein Armish auf einen Ferrari Testarossa werfen mag, auf den unverschämt gut aussehenden Begleiter und begibt sich wieder an ihr Kleiemüsli.

DOLLY FOLGT

Das Müsli teilt sie mit zwei ihrer Mitbewohnerinnen, evangelische Theologie und Soziologie, Namen ebenfalls nicht vonnöten. Des Helden Begleiter setzt sich zu dem Trio an den Frühstückstisch und sieht ihnen beim Müslimümmeln zu, die eine hat dazu fettarme Vollmilch (die „Maxifrische“), die andere Milchersatz auf Sojabasis, die dritte schwarzen Tee. Der Held ist inzwischen in ein anderes Zimmer gegangen, das die Kamera nicht erreicht. An dieser Stelle kommt die Vorsehung des Helden Begleiter und der Geschichte zur Hilfe: Er greift, um sich der hypnotischen Wirkung der drei Kleiemüsli ruminierenden Mamselln zu entziehen, nach der erstbesten Zeitung, die in Reichweite liegt. Es handelt sich – gegen alle Wahrscheinlichkeit – weder um die »Emma«, »TAZ« oder »Jungle World«, sondern um eine Bildzeitung! Licht am Ende des Tunnels und die Chance, ein Gespräch zu beginnen, das zwei Lebenswelten, die unterschiedlicher nicht seien könnten, vereinigt. Des Helden Begleiter schlägt das Titelblatt auf, dreht es den drei Käuenden zu, hält kurz inne, bis sie ihren Blick von ihren Schüsseln auf die Seite1-Dame mit den Traktorventilen auf dem nämlichen Blatt fokussiert haben.

DES HELDEN BEGLEITER

Wenn Eure Glocken nicht SO (Deutet hektisch auf das Titelblatt) aussehen, dann lasst sie im Dunkeln, wo sie hingehören!

Der Held kehrt zurück. Die Stimmung ist merklich gekippt, doch des Helden Begleiter hat seinen Punkt klargemacht. Zusammen verlassen sie die Wohnung.

FADE TO BLACK.

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