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neon bible. (update: »black mirror« mp3)

8. März 2007 von herr vogel

Arcade Fire – Neon Bible

Ich war ja erstmal überrascht, das Wort »Neighborhood« in keinem Titel der elf Stücke zu finden. Vielleicht sollten Arcade Fire einfach jeden Song »Neighborhood« nennen, von mir aus auch ohne Nummerierung und nähere Bezeichnung. Das würde nicht nur die Rezension erleichtern (… »Boah, dieses ›Neighborhood‹ is ja mal voll geil«), sondern wäre auch pures Gold in Sachen Mythenbildung; man bedenke die Verwirrung um die wilde Song-Durchnummerierung von Forward, Russia. Mythen ständen Arcade Fire überhaupt gut. Für mich hat auch Neon Bible wieder etwas völlig Unverständliches, jedoch nicht minder Faszinierendes.


Ich gebe gerne zu, die meiste Zeit einfach keine Ahnung zu haben, wovon Win Butler und Band eigentlich singen. Ändert natürlich rein garnichts an der Schönheit der Musik und dieser Vollkommenheit der Arrangements, die in der hörbar kostspieligeren Produktion von Neon Bible erst wirklich zum Tragen kommt. So hatte Funeral seinen ganz eigenen Charme, der mich für bestimmt drei Monate vollkommen vereinahmte (Ich bin jung, demnach offen für musikalische Offenbarungen aller Art), und Arcade Fire avancierten in Dauerrotation zur persönlichen Lieblingsband der Stunde. Wenn man nun jedoch die Neuaufnahme von »No Cars Go« hernimmt, stellt man fest, wie dieses Highlight der 2003er EP auf Neon Bible in völlig neuem Glanz erstrahlt. Hier deutet sich an, dass Arcade Fire wohl schon immer die große Profi-Nummer wollten. Sie haben »No Cars Go« mit neuen Mitteln jetzt so aufnehmen können, wie der Song vielleicht schon immer gedacht war. Ein Traum, glasklar vertont.

Ich bin auch nicht wirklich im Stande, fundierte Reflexionen zum Thema »Neon Bible« nieder zu schreiben. Ich finde mich völlig vereinnahmt von der mystischen, durch Akustikgitarren und Orgelspiel getränkten Atmosphäre, den hymnisch- emporschwingenden Chören und Textfetzen wie »I don’t wanna live in my father’s house no more«, die ruhig stampfend vorgetragen, düstertraurig und wunderschön daher kommen. Man könnte fast behaupten, Arcade Fire hätten mich zum zweiten Mal gewonnen. Einmal mit Funeral, nun mit Neon Bible. Auf jeweils andere Art, bedenkt man die Erwartungshaltung.

Auch freut mich, dass scheinbar niemand auf die Idee kam, bei Neon Bible vom »schwierigen zweiten Album« zu sprechen. Oder gibt es jemanden, der an der Brillianz von Arcade Fire zweifelte?

NOTIZ: Gerade erst entdeckt: Den Opener »Black Mirror« gibt’s legal und kostenlos in mp3-Form.

Eine Reaktion zu “neon bible. (update: »black mirror« mp3)”

  1. Kanadaserie, Platz 2: Arcade Fire | POPLOG

    [...] Die große Leistung von Arcade Fire kann man eigentlich gar nicht genug würdigen, denn sie haben es mit diesem Album geschafft, trotz der hohen Erwartungen, die sich nach dem Vorgänger »Funeral« bei den Kritikern angesammelt hatten, wieder eine Platte herauszubringen, die von einer großen, wirklich überwältigenden Zahl von Rezensenten Lobeshymnen auszulösen. Dazu gehört natürlich auch die immer wieder von der Band demonstrierte Haltung, sich nicht ausverkaufen zu wollen, sondern der U2isierung des Indiepop irgendwie auszuweichen: I don’t know if U2 started it, or The Stones or Oasis but a lot of bands think in terms of: ›I’m going to be the biggest band in the world. Fuck all those bands who’ve got no ambition‹. I think that’s a total crock of shit. (zitiert nach Intro) [...]