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I, 11 – Ein kleiner Exkurs

26. April 2007 von LeisureLorence

Was bisher geschah: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10.

»Ich finde es toll, dass du ein Malzbier trinkst!«, ließ mich Sinje wissen, als ich mich mit einem Malzbier und 10 Stangen Lakritze am Bistrotisch neben ihr niederließ. Wer einmal Sinje in sein Leben gelassen hatte, war gezwungen, sich ihr Urteil über jede für die normale menschliche Wahrnehmung selbstverständliche Handlung anzuhören. Und auch dieses scheinbare Lob musste sie noch cum grano salis versehen, indem sie hinzufügte: »Aber nur, wenn du es nicht genommen hast, um zu posen. Des weiteren wirst du nicht diese ganzen Lakritzstangen hier fressen, ansonsten läuft deine Verdauung wieder Amok!« Normalerweise hätte ich mir jede Einflussnahme in meine Verdauung verboten und meinen Anteil am weiteren Verlauf des Gesprächs auf das Schmatzen von Lakritze und das Lauschen auf neue Geschichten aus der Welt des Irrsinns beschränkt. Glücklicherweise war aber dieser Frühlingsnachmittag im Unicafé nicht normal. Denn ich hielt aus dem Stehgreif eine Rede. Und weil ich sie hielt, kann ich sie hier wiedergeben und so endlich mal wieder ein Kapitel beisteuern!

Ist das Leben nicht manchmal so irrsinnig toll, dass man am liebsten sein Hirn durch einen alkoholfreien Strawberry-Daiquiri ersetzte!!!

Dann lichten sich die Nebel, alle Puzzleteile greifen ineinander, und alles ergibt einen Sinn.

Doch wir sprachen gerade

Vom Posen!

»Sieh dieses Malzbier, Weib!

Sieh das Kondenswasser an der Flasche, es ist perfekt gekühlt!

Sieh diesen Zitronenschnitz, der das Geschmackserlebnis vollendet!

Sieh das Etikett! Es ist das edle Erzeugnis der HER-VOR-RA-GEN-DEN Flensburger Brauerei und keines dieser überzuckerten Billigbiere.

Dieses Malzbier in diesem Biergarten an diesem sommerlichen Frühlingsnachmittag trinken zu dürfen, könnte man in einem unbedachten, vom Erlebnis überwaltigten Moment fast die Vollendung menschlichen Glücks – ja sogar menschlichen Seins! – nennen.

Doch gleichwohl!

Nicht zu Unrecht äußerst du einen Verdacht, meine sommersprossige innere Stimme!

Natürlich bin ich mit diesem Bier neben all den widerwärtigen Bionadeschlürfern [ab diesem Moment genoss ich die ungeteilte Aufmerksamkeit aller Biergarteninsassen] nicht nur der Vollendung menschlichen Glücks teilhaftig sondern auch der Vollendung menschlicher Coolness. Was die Frage aufwirft: Kalkül?
[An dieser Stelle zeigte mir ein Rümpfen von Sinjes Schweinchennase, an der, wie immer wenn es heiß war, zahlreiche Schweißperlen angedockt hatten, dass es der rhetorischen Ausgestaltung meiner Rede besser getan hätte, wenn ich eine ganze Frage formuliert hätte.]

Und zu diesem Vorwurf kann ich nur sagen: Ja.

Seit jenem Tag, als ich mein gesamten Gesangbuch aus dem Musikunterricht durchsang und durchblockflötete und damit eine Kassette bespielte, die ich meiner Mutter zum Geburtstag schenkte und sie nach 30 Sekunden auf Stop drückte und sagte, »Das ist ja nur im Suff zu ertragen.« und sie nie wieder anmachte, seit jenem Tag habe ich nicht eine einzige Tat unternommen, die nicht darauf abzielt, auf andere cool, intelligent, nett oder potent zu wirken – mit einem Wort, zu posen.

Und ich halte das nicht nur für mein Recht.

Es ist mein verficktes Recht.«

Diese Rede, auf deren Vortragstag Sinje mit »Der Tag, an dem du Arschficker auf einmal im Biergarten rumschriest« referierte, mag manchen vielleicht etwas wahnhaft und bizarr erscheinen. Aber ich denke, dass ich den Wahn einfach kosten musste, bevor ich umkehren konnte. Insofern halte ich persönlich den Tag, an dem ich Arschficker auf einmal im Biergarten rumschrie, für einen Wendepunkt zum Guten, zum Perfekten hin.

Es sollte freilich nicht der einzige bleiben.

Aber so weit sind wir noch lange nicht.

Eine Reaktion zu “I, 11 – Ein kleiner Exkurs”

  1. Timewarp Zuvuya

    Ich hoffe ich habe die Summe vom Spamschutz richtig errechnet und eingegeben.
    Naja, jedenfalls… saugeil!! Geiler Exkurs! Geil geschrieben bzw.
    vorgetragen… Note 1!