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Nach unten

züge.

18. April 2007 von herr vogel

Wir fahren im Cabrio. Mit voller Geschwindigkeit. 300 Meter vor uns kreuzen Bahnschienen die Straße. Ich sehe den Zug, ein schwarzer, alter Zug, glänzend poliert in comichafter Anmut, doch aus massivem Stahl. An der Kreuzung gab es keine Schranken. Unser Auto ist nicht zu stoppen, und auch der Zug nicht. Wer wird schneller sein? Schaffen wir es vor dem Zug oder reicht die Zeit, dass der Zug vor uns über die Kreuzung fährt? Ich gebe Gas, ich will das schaffen. Immer schneller, immer schneller. Ich muss das schaffen.

Und schaffe es nicht.

Ich weiß nicht, was passiert. Ich scheine zu fliegen. Unser Auto ist weg, ich bin alleine. Ich sehe den Zug, ich sehe auf ihn herab. Ich schreie. Die Schienen wurden zur Achterbahn, einer großen Achterbahn, umgeben von Wasser. Überall Wasser, ein Meer, sonst nichts. Das Meer und die Achterbahn. Der Zug taucht in das Wasser ab, steigt dann wieder hinauf, immer höher, schwindelerregend hoch. Der Zug windet sich, dreht sich in Loopings und Schrauben, auf alle Arten und Weisen, die für einen normalen Zug unmöglich sind. Eine Weile fahre ich mit dem Zug, erst in der Kabine, dann oben auf dem Dach. Es ist windig. Es geht eine Steigung hinauf. Immer höher und höher, ich kriege Angst. An der höchsten Stelle verliere den Kontakt zum Boden, doch der Zug schnellt wieder hinab. Und ich? Was ist passiert? Ich schaue nach unten, ich sehe den Zug in weiter Ferne in der Tiefe, nichts geschieht, fliege ich? Ich habe Angst. Ich bewege mich, nach links, nach rechts. Dann sturzflugartig nach unten. Das Wasser kommt auf mich zu, rasend schnell. ich will kehrt machen wieder nach oben. Unbedingt! Und es geschah, wie ich es wollte, ich gewann wieder an Höhe. Ich konnte es kontrollierten, ich konnte fliegen. Es war ein Wunder. Ich flog zurück zur Achterbahn, dann um sie herum, der Zug drehte noch immer eine Runde nach der anderen, mit irrsinniger Geschwindigkeit. Ich dagegen war frei, ohne Schienen, ich konnte überall hin. Ich flog auf und ab, aber nichts geschah. Dann imitierte ich die Wege der Achterbahn. Die Leute sahen mich an, winkten mir zu. Ich war frei! Und doch beneidete ich die, die sich nicht anstrengen mussten, um dieselben Wege zu gehen.

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