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Will zur Macht – Liveblog

16. September 2007 von LeisureLorence

Gleich geht es los.

Anne Will gibt ihr Debüt als Nachfolgerin von Sabine Christiansen.

Noch nie waren die Vorschusslorbeeren grüner, noch die nie zu füllenden Fußstapfen kleiner.

Man darf gespannt sein!

21.45 Das Theme ist schon mal von grotesker Einfalt. Vorstellung der Gäste

21.46 Bussybeck, Rüttgers, Telekomvorstand, Bischöfin, Psychiater UND eine Frau aus dem Volke, die nun interviewt wird.

21.48 Die Dame arbeitet beim Callcenter und kann damit nicht ihren Lebensunterhalt fristen. Will fragt sachlich nach, und sitzt bei ihr auf in der weißen Couchgruppe, während der Rest in roten Ledersesseln schmort. Wieso diese Trennung?

21.51 Bischöfin kennt Max Weber. Niveauexplosion! Der Manager lobt die Agentin über den grünen Klee, hat sich mit seiner Buhmannrolle wohl noch nicht arangiert.

Rüttgers als der »Sozialdemokrat bei der CDU« eingeführt, sagt auch das offensichtliche ein drittes Mal: Wer voll arbeitet, sollte davon leben können.
Beck fordert Mindestlohn ein.

Anne Will hakt nach und behauptet, Beck hätte diese Position noch nicht immer verfochten, Beck leugnet, hier nochmal nachhaken, wäre toll gewesen.

21.55 Jetzt Rüttgers und Beck im Clinch.

21.56 Mindestlohn als Thema. So langsam zuckt die Hand zur Fernbedienung.

21.58 Bin gespannt, wo die Sendung die Spannung hernehmen wird. Beck sagt, man dürfe die Dinge nicht nur parteitaktisch sehen. Traumhaft.

21.59 »Nichtnotwendige Arbeit wird in unserer Wirtschaft nicht getan.« Da lehnt sich jemand (Beck) aus dem Fenster. Anne Will hakt jetzt stärker ein.

22.01 Auch bei Rüttgers schön eingehakt, der Agenda 2010 angeht.

22.03 Beck behauptet, Rüttgers habe mit der Politik der CDU so viel zu tun, wie eine »Kuh mit der Strahlenforschung.« Knaller!

22.05 Tja, das alte Lied, jeder wirft dem anderen Äußerungen anderer Parteimitglieder vor.

22.06 Käßmann (die Bischöfin) wiederholt nochmal: Wer arbeitet, muss auch davon leben können.

22.07 Die Call-Center-Agentin darf in ihrer Ecke auch nochmal zu Wort kommen. Ist irgendwie ungünstig, da jemanden so aus der Runde auszusperren. Sollen da noch mehr Leute in die Ecke nachkommen, wie bei Wetten dass?

22.10 »Steinbrück fängt an zu heulen.« Schön schnoddrig, die Frau Will. Rüttgers strahlt so eine Wärme mit seiner Stimme aus, erzählt, wie er in Schulen hilft, den Obsalat für Kinder zu schnibbeln. Wo ist der Antiheld in dieser Runde?

22.11 Ackermann-Ersatz Obermann ist gut. »Fesseln an Händen und Füßen« beim Wettbewerb.

22.13 Abstiegsängste durch die Bischöfin thematisiert. Wann kommt eigentlich der Psychologe zu Wort? Bisher disziplinierte Frage-Antwort-Spiele, nur Beck und Rüttgers beherrschen das gepflegte politische Debattengebrüll. Aber wie gesagt, kein Antiheld, nur gerade wurde es laut, als jemand unbebremst ins Mikro hustet.

22.20 »Sinnarmut« unter anderem in den Äußerungen der Teilnehmer. Jetzt psychosomatischer Stress und da kommt der Psychologe zu Wort. In der Sofaecke.

22.22 »Rendite statt Respekt« oweiowei, so heißt das Thema?

22.24 Nette Mischung, der Psychologe wird jetzt ausführlich interviewt und bleibt in der Couch. Dann wieder die Bischöfin. Auch wieder eine sehr tolle Idee: Arbeit erfinden! Zitat Homer Simpson: »Meine Religion? Diese mit den gutgemeinten Ratschlägen, die mit dem richtigen Leben nichts zu tun haben … äh … Christentum!«

22.27 So, Obermann fordert weitere Reformen, hoffentlich kommt jetzt langsam mal Dampf rein. Rüttgers findet die Opposition »Rendite und Respekt« nicht gelungen. Danke dafür! Fordert »Kultur der Sicherheit«.

22.29 Interessant, Anne Will stellt alle Diskussionsteilnehmer als Aufsteiger dar. Beck fordert Aufstieg für alle. Bisher hatte KEINER irgendwelche Zahlen auf dem Tisch. Hätte Anne Will sie haben sollen? Nach dem Motto, »Kindertagesstätten kosten x Milliarden, haben wir nicht, wo sollen die herkommen?«
Beck: »Formal haben wir Durchlässigkeit.« Real sagt Pisa, dass Deutschland ein Kastensystem ist.

Beck fordert ebenfalls »Kultur der Sicherheit«. Aber rot-grün hat das alles richtig gemacht.

22.33 Schöne Frage von Will: Kann es Vollbeschäftigung wieder geben? Rüttgers antwortet: Ich habe nicht gekürzt. Was für eine Stimme. Gewinnt Wahlen alleine. »Wahrheit ist irgendwo konkret«. Gold.

22.34 »Untergang des eisernen Vorgangs« Rüttgers is on fire! Darf jetzt 10 Minuten reden. So jetzt mal endlich Titten auf den Tisch! Obermann fordert bessere Bildung. Wird jemand kommen und weniger Bildung fordern? Man darf gespannt sein.

22.39 Jetzt tolle Frage: »Wir haben ne große Koalition, alle wollen dasselbe, warum passiert nix« Becks überraschende Antwort: »Die CDU ist schuld«. Rüttgers bietet an, mit Merkel zu reden.

22.43 Ende. Anne Will spricht ein Fazit.

Hier meines. Bei Herauszoomen aus dem Studio konnte nochmal genau sehen, wie es aufgebaut ist. Eine Runde roter Ledersessel für die Debattierenden, 2 weiße Couchgarnituren (!) für die, ja was, Experten. Anne Will geht als »Mediatorin« von der einen Gruppe zu der anderen, danach sitzen die Armen gemütlich aber abgemeldet. Gefällt mir nicht so. Bei Christiansen durfte der Außenseiter wenigstens mit bei den Großen sitzen und wurde auch manchmal angehört. Insgesamt war es ein großer Konsenstisch (ohne Tisch), 4 Gäste plus Will, dabei nur zwei Politiker. Die Offenbarung, die erhoffte, habe ich dabei nicht erlebt. Aber mal ehrlich: Wo soll sie auch herkommen? Mein liebster Polittalk ist ja immer noch »Vorsicht Friedmann!«, alles andere ist Kindergeburtstag. Keiner wollte den Manager irgendwie angehen, wofür auch, als ehemaliges Staatsunternehmen hat die Telekom ihre Beamten umgeparkt, bis sie alt genug waren, in die Frührente zu gehen und haben dafür ein paar Milliarden verbrannt. Wo war der Kleinunternehmer, den ein Mindestlohn ruinierte? Psychologe ODER Bischöfin hätte gereicht, dafür noch einen Kommunisten oder entfesselten Kapitalistin ins Boot, dann hätte es vielleicht mal gerumst.Letztendlich hatten die Politiker und die Experten und auch die Experten untereinander sich nix zu erzählen, es gab keine Reibungsflächen. Aber ein anderes Thema, das man nicht mit einem einfachen Glaubenssatz (Wer voll arbeitet, soll auch davon leben können«) konsensfähig machen kann, ein paar polarisierendere Gäste, ich denke, an Anne Will wird es dann nicht scheitern, dass eine gute Show zustande kommt.

Hier andere Meinungen zur ersten Sendung: 1, 2, 3

Nachtrag: Martin Weber vom »Kölner Anzeiger« zeigt mal wieder, wie das so geht mit den Liveblogs

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