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neulich im »b«

2. Dezember 2007 von herr vogel

Ich komm grad aus dem »B« (das ab jetzt nur noch »B« heißt und nicht mehr B72), der Nils hat ein Bißchen Geburtstag gefeiert. »Ein Bißchen«, weil die eigentliche Festivität noch folgt, heute war nur der Tag des freudigen Ereignisses und deshalb ein Abend im »B«. Ich war da ja häufiger die letzte Zeit, drei mal in den letzten acht Tagen. Einmal zum Abstürzen und Indietanzen, einmal zum wundervollen Club Nolabel und eben heute der Geburtstag. Ich finds immer toll, was für Menschen man da trifft. Ganz junge zum Teil, die totale Pubertät am Start, aber die feiern als wäre am Montag schulfrei. Optisch auch immer sehr interessant, gesehen und gesehen werden. Ich geb dann ja immer gerne Spitznamen. Heute war zum Beispiel Pete Doherty da. Er trug einen Anzug, auf Indie gepimpt. Dazu schwarz geschminkte Augen und Glitzerzeug an den Schläfen. Er war sowas wie der Star im Freundeskreis – und am schwitzen wie Carl Barat und Doherty zu besten Drogenzeiten. Ich bin ja an einem Punkt in meinem Leben, wo Wien froh sein kann wenn ich vor dem Fortgehen dusche oder mal Gel in die Haare mache oder sowas (und dabei natürlich immernoch superfantastisch aussehe, aber das versteht sich von selbst), aber diese Jugend hat das mit dem »dressing down« (The View) nicht so ganz verstanden: Modenschau, Indiecindy an Indiecindy, die arrogant dreinschauen und jedes Lied auswendig mitsingen. Letzte Woche war Joey Ramone da, wie Captain R. feststellte in seinem Styling ein klassisches Beispiel dafür, dass man eigentlich total scheiße aussehen kann und dabei dennoch cool-as-hell rüberkommt. »Es fehlen nur die weißen Turnschuhe«, sagte ich zu Joey, aber er war davon nicht zu überzeugen. Die Ramones hätten auch mal schwarze Schuhe getragen, von dieser Meinung war er nicht weg zu bewegen. Ganz merkwürdig dann auch heute wieder: Ein Mädel, ganz in schwarz gekleidet, aber nicht ganz so auffällig wie viele andere, deren rechter Oberarm von unzähligen frischen und verheilten Schnittwundennarben übersäht war. Ich mein, schön und gut, Probleme haben wir alle, und ich möchte auch gar nicht über den individuellen Umgang damit urteilen, aber diese Narben so offensichtlich zur Schau zu stellen – bei einem normalen Tshirt hätte sie niemand gesehen – da drängt sich doch der ein oder andere böse Verdacht auf. Nicht nur, dass es ein plakatives »Schaut her« an die Welt ist, viel mehr schien’s mir da nur wie ein weiteres Accessoire der Emo-Kultur zu sein. So wie Karomuster und schwarz gefärbte Haare. Als gehöre das einfach dazu. Whatever happened to Probleme für sich behalten? Mir alles zu plakativ, oder um es mit meinem neuen Lieblingswort zu beschreiben: viel zu lame.

Mein werter blonder Mitbewohner Major Merlot hätte seine wahre Freude gehabt. Und wenn er nicht gerade in Rumänien weilen, Unmengen Bier trinken und Texte (vor)lesen würde, würden wir da jetzt wahrscheinlich auch drüber reden. Bei einem gemütlichen Ottakringer in der Küche. Aber so wurds dann eben der zweite Eintrag der »neuen Befindlichkeit«.

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