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weil ich schlagzeuger bin!

3. Dezember 2007 von herr vogel

Befindlichkeitsblogging, erste kleine, aber altbekannte Krise. Was darf man schreiben? Was nicht? Und weil die Diskussion gerade auch an anderer Stelle aufgetaucht ist: Wenn potentielle Arbeitgeber nach meinem Namen googlen und mein Blog finden, wird’s dann kritisch wenn sie das hier lesen? Natürlich sollte sich in einer idealen Welt niemand dran stören, aber im Hinterkopf ist’s ja doch. Auch beim Schreiben, was genau man jetzt von den kleinen und großen Ansichten und Geheimnissen an die missverständliche Oberfläche des Internets packt. Und was finden die dann sonst noch über Google? Meine alte CHiLLi-Kolumne, meine Filmkritiken, meine CD-Rezensionen und den russischbrot-Kram? Vielleicht habe ich durch so manche Aussage ohne es zu wissen eh schon verkackt. Vielleicht habe ich aber auch nie Kontroverses oder »Schlimmes« geschrieben. Vielleicht werde ich mich aber auch nie auf einen Job bewerben, wo diese Eventualitäten tatsächlich jemanden stören könnte. Das mag ich so an Ween, der Band, die scheißen sich einfach nix. So eine natürliche, von Grund auf verinnerlichte Einstellung, die trotz der ganzen Fremdbestimmung unserer Tage und Jugend auf Konventionen und Erwartungshaltungen pfeift. Zur Not arbeite ich einfach Vollzeit bei der Post. Vielleicht bin ich aber einfach auch in einer Phase meines Lebens, wo ich mich noch nicht entschieden habe, wo ich hingehöre. Vielleicht lande ich mal in einem Büro hinter einem Schreibtisch, weil mir der Mut zum Versuch fehlte und die Angst vor eigenen Mittelmäßigkeit jeglichen künstlerischen Ansatz verdarb. Selbstzweifel gehören wohl immer dazu, vor allem wenn man einfach nicht mehr von der arroganten Überzeugung ist, jeden in Grund und Boden schreiben zu können. Wenn man Grenzen sieht. Wenn der Optimismus Pause macht. Was wenn am Ende nichts bleibt als die zynische Arroganz des Gescheiterten? Ich seh schon, auch dieser Entwurf der »neuen Befindlichkeit« entwickelt sich drastisch in diese zweifelnde Richtung, an deren Ende nurmehr eine Sackgasse wartet. Bisher stand nach diesen Sackgassen immer der Rückzug, das als Luftholen getarnte Aufgeben. Vielleicht muss ich nach Italien. Vielleicht muss ich auch einfach so leben, wie Moe Tucker Schlagzeug spielt.

Und Du sagtest du möchtest viel lieber wie Moe Tucker sein
Und deinen eigenen Rhythmus spielen, ganz egal wie er klingt
Und niemand könnte Dir von Richtig oder Falsch erzählen
Du wüsstest es schon selber, denn du würdest wie Moe Tucker spielen

(Locas In Love – Moe Tucker)
Und wenn man grad beim Locas-Hören ist, das passt da eigentlich genauso gut.

2 Reaktionen zu “weil ich schlagzeuger bin!”

  1. LeisureLorence

    bukowski, bukowski, bukowski.

  2. Trotz

    alas: der zweifelnde künstler. gehört wohl leider so!