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wie die zigarettenkippen in den kaffeefilter kamen; neurosen-zyklus teil eins

25. Dezember 2007 von herr vogel

Ehrlich gesagt weiß ich auch nicht, warum ich sie jedes mal wieder mitnehme. Vielleicht aus einem schlechten Gewissen heraus, oder weil ich fürchte, hier bestimmt sonst nichts zu tun zu haben. Also packe ich sie jedes Mal wieder ein, die Badehose, oder besser gesagt die „Schwimmhose“ – weil das klingt schon eher nach sportlicher Aktivität. Und natürlich, nicht ein Mal war ich schwimmen, ja, nicht einmal baden. Dabei ist mir schon beim Einpacken der Bade- respektive Schwimmhose vollkommen klar, sie auch diesmal nicht zu brauchen. Die Erörterung der Frage nach dem Warum, oder dem Warum zur Hölle nimmt er sie dann trotzdem mit, ist hierbei nicht einfach zu klären, vielmehr geht sie auf den Grund meiner durch Neurosen geprägte Existenz zurück. In einem größeren Kontext gesehen, besitzt sie aber sicherlich so viel, oder besser: so wenig Relevanz wie die kürzlich aufgekommene Frage nach den Zigarettenkippen, und wie sie in den Kaffeefilter kamen. Obwohl, wie die Zigarettenkippen in den Kaffeefilter kamen, ist eine durchaus nette Geschichte. Durchaus netter jedenfalls als Schampusgetränkte Berichte über jährliche Weihnachtsroutinen. Also: Wie kamen die Zigarettenkippen in den Kaffeefilter? Und was hat das mit Schwimmhosen zu tun?

Die Welt weiß, ich bin Gelegenheitsraucher. Und als solcher rauche ich (gelegentlich) eine Zigarette in meinem Zimmer in unserer wundervollen Zwei-Mann-WG. Wenn ich nun also eine oder zwei Zigaretten geraucht habe, und dann die Wohnung verlassen will, sieht (und nutzt!) die lauernde Neurose ihre Chance. Geboren aus meiner Angst vor einem monströsen Feuer, das all meine bescheidenen Besitztümer vernichtet, muss ich also wirklich sicher gehen, dass keine der in Aschenbechern begrabenen Zigarettenkippen auch nur den Hauch einer Chance hat, sich selbst wieder zu entzünden, sobald ich das Haus verlassen habe – dass dies eine völlig irrationale Angst ist, ist mir selbstverständlich völlig bewusst! Und so werden dann schon mal die Zigarettenkippen in nasse Zewa-Küchenrolle gepackt, noch ein- oder zweimal mit Wasser übergossen und dann in den Mülleimer geworfen. Natürlich in den Mülleimer vor der Tür, nicht in den Hausmüll. Wer weiß schon, mit welcher Art Hausmüll nasse Zigaretten und Zewa-Küchenrollen reagieren könnten, schlimmstenfalls zu einem flammenden Inferno im Küchenbord.
Kürzlich ging uns die Zewa-Küchenrolle aus. Auch Taschentücher waren keine da. Da der Neurotiker zwar neurotisch, aber selten blöd ist, bedient er sich oft unkonventionellen Methoden, seine innere Unruhe zu bekämpfen. Improvisation! In diesem, meinem Fall war dies ein benutzter Kaffeefilter, der wie üblich noch in der dazugehörigen Aufgussvorrichtung in der Spüle stand. Zigaretten also da rein und zur Sicherheit noch mit Wasser aufgefüllt. Sollte sicher sein, meine innere Unruhe war bekämpft. Nun allerdings stand am Nachmittag der Ludwig leicht irritiert in unserer Küche und fragt: „Eh sagt mal, wie kommen eigentlich die Zigarettenkippen in Kaffeefilter? Und diese eklige Brühe in der Spüle stinkt ganz schön.“
Ihm den kompletten Sachverhalt mit den Zigaretten und dem Filter nun in Gänze zu erklären, würde den Rahmen unserer Esstischkonversation deutlich sprengen. Und überhaupt ist mir die giftige Kaffeesatz/Zigarettenkippen-Melange noch gar nicht aufgefallen, die sich im Laufe des Tages tropfenweise durch das aufgefüllte Wasser übelriechend in der Spüle sammelte. „Er ist Neurotiker“, gibt der Merlot dem Ludwig als Antwort, „der darf alles. Er sperrt die Wohnungstür auch gleich fünf Mal ab.“

Und in etwa so verhält es sich auch mit der Badehose. Aber dazu später mehr.

2 Reaktionen zu “wie die zigarettenkippen in den kaffeefilter kamen; neurosen-zyklus teil eins”

  1. Bärbel

    herrlich

  2. chris

    »pack die badehose ein, nimm dein kleines schwesterlein« *sing*