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05 / wien, 6. januar 2008

6. Januar 2008 von herr vogel

Liebe Miss F.,
Es ist mir leider trotz kurzer Google-Recherche nicht gelungen, Ihr sagenumwogenes Weblog ausfindig zu machen. Aber wahrscheinlich würden Sie dort ohnehin nur Grey’s Anatomy nicht gut finden und der Bravo Hits 13 huldigen („Heyho, Captain Jack“). Mich freut aber, dass wir uns auf den formalen Rahmen dieses Briefwechsels (Briefkopf- und Signatur, Anrede, dergleichen) einigen konnten; dies bietet schließlich beste Voraussetzungen eines funktionierenden Briefaustauschs. Wie auch die erfreuliche Tatsache, dass sie tatsächlich auf Briefe antworten.


Ich möchte über Max Goldt sprechen. Ich habe wieder ein wenig in „Der Krapfen auf dem Sims“ gelesen und muss sagen, ich bin sehr angetan von seiner Art, Texte zu schreiben. Was und wie er schreibt, wirkt so wundervoll einfach. Gewiss ist es dies nicht. Ich halte mich bewusst an diesem Umstand auf, da mir selbst vor kurzem zweifach, ich möchte nicht sagen vorgeworfen, sondern eher: attestiert wurde, einen recht einfachen Schreibstil zu pflegen. Zu klar und zu eindeutig soll er wohl sein. Wenn ich mich da richtig erinnere, denn sobald etwas nach negativer Kritik klingt, höre ich ja aus Prinzip erstmal weg. Wie dem auch sei, ich mag meinen recht einfachen Stil, auch wenn er – zugegeben – etwas komplexer und vielschichtiger sein könnte. Und das bringt mich dann wieder zu Max Goldt. Diese eigentlich viel zu langen Kolumnen-Texte voller Abschweifungen, roter Fäden und pointierten Anekdoten sind schlicht großartig. Und wie sie am Ende doch ein absurdes, rundes Ganzes ergeben, erstaunt mich einfach immer wieder. Zwar habe ich erst vier oder fünf seiner Texte gelesen, doch möchte ich im Moment nicht weiter lesen, aus purer Angst seine Texte könnten sich mit zunehmender Buchseitenzahl zu Bockmist entwickeln. Das ist natürlich gelogen. Der wahre Grund ist, Menschen wie Max Goldt deprimieren mich. Sie erinnern einen daran, was man noch leisten muss und wie gut man werden muss (im Optimalfall natürlich: besser). Selbstverständlich, Herr Goldts Alter übertrifft das meine um etwas mehr als das doppelte, was auf der einen Seite natürlich heißt: Herr Vogel hat noch Zeit. Auf der anderen muss da aber auch mal bald was passieren, wirft man einen Blick in Max Goldts Biographie. In zwei Jahren müsste also das erste Buch da sein. Und zwar ein veröffentlichtes, das nach Möglichkeit mit einem Titel aufwartet nahe der Schönheit eines „Mein äußerst schwer erziehbarer schwuler Schwager aus der Schweiz“.
Doch ich schweife ab. Eigentlich wollte ich nur von Ihnen wissen, Miss Flanders, wie Sie das Chuck Klosterman Buch finden. Wenn dessen „IV“ nicht so schrecklich teuer wäre, ich hätte es schon lange bestellt. Auch habe ich nun völlig vergessen, die Vagina-Stephansplatz- Debatte näher zu erläutern. Bitte erinnern Sie mich bei Gelegenheit daran. Wie auch an folgendes: Ich brauche einen neuen Namen und ein gutes Wiener Stammcafé, zwecks Autorenidentität und –image. Ich bitte um Vorschläge.

Ich verbleibe mit besten Wünschen zum Sonntag und einer tragischen Erkenntnis: Niemand will mehr Hemingway sein. Herzlichst,
C.

3 Reaktionen zu “05 / wien, 6. januar 2008”

  1. miss f

    sehr schön, sehr schön. meine antwort wird noch etwas auf sich warten lassen, denn wenn ich mich von gerade eben erlittenen schock erholt habe, werde ich mich an 5 seiten über irgendein soziologisches thema machen, die es morgen abzugeben gibt. wie soll ich das nur schaffen?! panik. und selbst schuld.

  2. Johnny Trotz

    »Diese eigentlich viel zu langen Kolumnen-Texte voller Abschweifungen, roter Fäden und pointierten Anekdoten«… schöner hätte ich es auch nicht ausdrücken können. genau deswegen kann ich den goldt nicht ausstehen.

    disclaimer: erfolg macht unsexy. deswegen ist max goldt blöd und Eleanore Rigby toll. man ist nie zu alt für kindergartenlogik, sag ich!

  3. miss f

    herrn vogels freunde, eine zusammenfassung:

    anti- goldt (siehe oben) und anti-thermals (siehe silvester)…. was ist da nur falsch gelaufen bzw. was hast du falsch gemacht?