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08 / wien, 24. januar 2008

24. Januar 2008 von Miss Flanders

Viel gerühmter Herr V.,

Trotz (Präposition, nicht Johnny) sämtlicher Missachtung jeglicher Impulse meiner Briefe, die wohl gemerkt mit jedem Male mehr und mehr gelingen wollen, schätze ich dieses öffentliche, nun regelmäßigere Masturbieren – ich bleibe dabei! – hier auf der Brigade sehr. Im Wesen und in allem anderen auch, bin ich grundsätzlich – weil unter anderem dem weiblichen Geschlecht angehörig – viel komplexer als Sie. Sie glauben beeindrucken zu können, mit ihren zwei Ich-Identitäten? Dann will ich Ihnen jetzt ganz sanft, aber durchaus bestimmt die Augen öffnen. Zuvor aber sei noch angemerkt, dass ich in Zukunft weniger von meinem eigenen Blog sprechen möchte. Das hat schon Ausmaße erreicht, die – wenn derart weiter betrieben – bald sogar dem Product Placement in Wayne’s World spotten würden. Für diesen Brief kann die von mir an mich selbst geforderte Regelung leider noch keine Gültigkeit finden, woran nur Sie, mein lieber Herr V., schuld sind. Sie mussten ja schon wieder thematisch das Ruder an sich reißen. Aber reden wir halt schnell von meinem Blog. Dann haben wir es hinter uns und können uns bald schon essentielleren Themen widmen…

Zugegebenermaßen will es (mein Blog) ja noch nicht recht in Schwung kommen, was sich aber nur um eine Frage von kürzester Zeit handeln dürfte. Die Tatsache, dass meine Wenigkeit nun wohl ein fixerer Bestandteil der Autorenschaft auf diesem hochwertigeren, literarisch mehr als nur anspruchsvollen – wie ich nicht und niemals müde werde zu betonen – Brigadenblog ist, könnte sich dabei aus verschiedensten Gründen als nicht gerade förderlich herausstellen. Jene Entwicklung bringt nämlich gezwungenermaßen eine weitere Identitätsaufspaltung meiner Person mit sich. Vergleichen wir dieses Blog mit meinem Exemplar ist unweigerlich anzuerkennen, dass die Miss F. der Brigade (infolge Miss F. 1) nicht nur superklug, wunderschön, grazil und aufregend sein muss, sondern vor allem auch mit allen intellektuellen und schreibbegabten Wassern gewaschen ist. Während sich die Miss F. 2 auf ihren eigenen 4 Blog- Wänden viel zu oft und gerne der Versuchung eines öffentlichen Tagebuchschreibens hingibt. Und Tagebücher fand ich (und auch die beiden nun) schon immer idiotisch.

Was ich mich (oder auch Miss F.1 und vielleicht sogar die emotional instabilere Miss F. 2) nun frage ist, warum Bloggen allgemein regen Zuspruch findet, während Tagebücher ausschließlich von Belang für blonde Mädchen mit weißen Spitzensöckchen und Pferdesport liebende Menschen sein sollen? Vielleicht lehne ich mich weiter aus dem Fenster als eine erst frisch gefangene Brigaden-Autorin auf Probezeit dies tun dürfte, wenn ich hier an Ort und Stelle „unseres Tuns“, genau jenes hinterfrage. Sicher ist die Brigade mehr Lit als alles andere, aber dennoch rüttle ich wuchtbrummig an den digitalen Gemäuern dieses bloggigen Kartenhauses und frage mich, warum es genau so stehen bleiben darf, soll und sogar muss. Und als wäre der flander’schen Frechheiten noch nicht Genüge getan, versuche ich nun auch noch selbst eine Antwort zu geben. Bei jener werde ich Ihnen, geschätzter Herr V., mehr Zustimmung einräumen müssen, als ich im Sinne meiner vermehrt angestrebten Provokationsversuche hier möchte. Sei’s drum! Ich gebe Ihnen, wenn Sie Bloggen mit gutem Sex zwischen den eigenen Identitäten vergleichen, insofern Recht, dass ich allgemeiner von einer Begierdenbefriedigung als höheres Ziel der Bloggerei sprechen will, die – ihr Konzept erweitert – auch vor allem fremde Wesen erfreuen (vgl. „to please“) soll. Denn wenn ich dieser Argumentation zufolge an mein eigenes Blog („Wenn alle es tun, dann tu ich’s halt auch ODER Das Floridsdorf Blog“) denke, scheint mir der Grund für dortige, ausbleibende Kommentare offensichtlicher denn je. Es ist einfach noch zu unsexy für andere, weshalb ich daraufhin gezwungen bin – also dem Bestreben nach Befriedigung Willen nachgebend – viel zu oft selbst Hand anlegen zu müssen. Dieses Blog hier hingegen – so könnte ich mir vorstellen – erlaubt bereits anständig vollzogenen GV, weil mittlerweile – ein gewisser C.W.V. hat mir gezwitschert, dass dies nicht immer so war – genug Menschen sich hier einfinden und ordentlich häufig kommen (-tieren). Tollster Gruppensex und Swingerei ist das also hier! Abschließend wollte ich Ihnen, werter Herr. V., eigentlich befehlen (und das hätten Sie mir wohl kaum abschlagen können, weil eh viel zu tonangebend in dieser virtuellen Briefschaft) endlich und wirklich die Vagina-Stephansdom-Debatte aufzugreifen. Aber jetzt mit neuem Bestreben bzw. Wunsch nach Provokation und Ächtung meiner Künste finde ich, dass wir die Debatte solange immer wieder anteasen und erwähnen sollten, bis wir uns nicht mehr vor die Türe trauen dürfen. Was halten Sie davon?

Ihnen stets freundlich gesonnen
verbleiben,
Nadine, Miss F. 1 und Miss F. 2

P.S.: „Unser Tun“ klang mir zu religiös, um es nicht unter Anführungszeichen zu setzen. Das ist die unsere, dreifache Logik.

Eine Reaktion zu “08 / wien, 24. januar 2008”

  1. Johnny Trotz

    jah! blogsex mit knutschen!