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Nach unten

4:26

10. Januar 2008 von herr vogel

Ich bin hellwach. Und ich verwende hier bewusst die positive Ausdrucksweise meines gegenwärtigen Zustands, denn die negative (und die soll vermeiden werden), lautet: Ich kann nicht schlafen. Allerdings ist es auch kein Wunder, dass ich um diese Uhrzeit – und es ist immer 4:26 Uhr in der Früh – hellwach bin, bzw. nicht schlafen kann, denn ich bin erst seit gut vierzehn Stunden wach. Den gesamten Nachmittag habe ich damit verbracht, wie besessen an der Rohfassung einer Hausarbeit über Easy Rider zu schreiben, die den geforderten Umfang zum aktuellen Zeitpunkt bereits um gut fünfzig Prozent überschritten hat. Soll heißen: Ich muss kürzen. Auch hier ist die Wortwahl eine beabsichtigte, denn ich will nicht kürzen, sondern muss. Doch zu den notwendig gewordenen Kürzungen kam ich noch nicht, denn besessenes Schreiben hat einen entscheidenden Nachteil: Man schreibt zwar elendiglich viel, doch man verliert die Distanz. Und zwar komplett, reflektiertes Schreiben oder reflektiertes Korrigieren ist erst möglich, wenn das wüste Unformatierte eine Weile geruht hat. Oder der wüste, unformatierte Autor eine Weile geruht hat. Nach meiner besessenen Phase von heute Nachmittag, in der ich mich mit gesteigertem Kaffeekonsum wach hielt, wurde ich furchtbar müde. So sehr, dass ich eine Verabredung mit D, Ph und N am Abend absagte und ich mich um elf Uhr ins Bett legte, um zu schlafen. Um halb eins war ich wieder wach. So wie jetzt, hellwach. Man könnte diese kurze Ruhephase in meinem derzeitigen Biorhythmus also gut und gerne als Mittagsschlaf um Mitternacht bezeichnen. Dann habe ich gelesen. Hundertachtzig Seiten in Irvings »Die wilde Geschichte vom Wassertrinker«, dann war das Buch zuende. Also nahm ich Albert Kochs »Fuck Forever – Der Tod des Indie-Rock« zur Hand und habe mich darüber aufgeregt, vierundvierzig Seiten lang. Dann setzte ich mich zurück die Küche, schaltete den Laptop ein und schrieb den Satz »Ich bin hellwach«.

Nun, was sind meine Optionen? Ich muss gestehen, die gestrige Nacht sah ähnlich aus, um nicht zu sagen: genauso. Doch der entscheidende Unterschied zur heutigen Nacht besteht darin, dass ich in dreieinhalb Stunden an der Uni sein muss. Ich empfinde dies momentan als belastend. Außerdem ist mir kalt. Doch, so habe ich von Irvings Wassertrinker Bogus Trumper gelernt, entstehen Dinge – nicht notwendigerweise große Dinge, aber solche, die man wenigstens fertigstellt – aus Besessenheit heraus.

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