Die Brigade | blog-briga.de

feel free to masturbate
Nach unten

»Lost in the Supermarket«

12. Januar 2008 von Johnny Trotz

Einige Dinge gehen mit meinem, sich der 30 annähernden, Alter einher: Die Geheimratsecken wachsen langsam aber sicher richtung Nacken (und meine Indie-Matte verdeckt dieses traurige Faktum hervorragend), morgendliche Erektionen sind von einer Alltäglichkeit zur erfreulichen Ausnahme geworden, und ja, auch die ersten Male werden weniger:


Schon erlebt: Das erste Konzert (David Hassellhoff ca. 1991), das erste Mal mit jemandem schlafen (an einem Sonntag im August), das erste mal vögeln (nachts, Sportplatz, Bier gab‘s auch), das erste Mal umziehen (fuck Wien-Margarethen), die erste Hochzeit befreundeter Menschen (und ich wurde nicht eingeladen), das erste Mal ausgeraubt werden (Ich trug Flip-Flips, sonst wäre ich davongerannt. Nachdem ich die Schweine verprügelt hätte. »Die Schlange Im Schatten des Adlers« und so.), das erste Mal Autofahren (und endlich verstehen, wieso alle so viel Geld für ihre Karren ausgeben: mehr Spass durch mehr schnell), das erste Konzert spielen ( »I love Rock N Roll«. Fragt nicht), das erste Mal im Puff gewesen (aber nur zum Whiskey-Trinken. Wirklich! Auch wenn die sechste der zehn Damen, die uns ihre Gesellschaft anboten, sehr attraktiv war. In a B-Movie kind of way).
Mir scheint, die Erste-Male-Frequenz nimmt bis zum Tode hin asymptotisch ab. Sterben ist dann das letzte – und in der Tat finale – erste Mal. Ausser man heisst Niveau, denn dieses Wesen starb schon tausend Tode und seitdem wird sein Leichnam geschändet. Von wegen Perez Hilton. Aber das tut nichts zur Sache.
Um zum Thema zurückzukehren: Ich durfte heute ein weiteres Erstes Mal erleben. Und wer sich ob der langen Vorrede auf Lebensveränderndes vorbereitet hat, wird hier derbe enttäuscht. Ich war nur zum ersten Mal in einem Bio-Supermarkt.
Obzwar ich freudigst Raubbbau an meinem Körper betreibe, greife ich bei einigen Produkten (Butter, Eier, Kartoffeln, Tomaten) gerne zur Bio-Variante. Und zwar nicht aus ethischen, sondern geschmacklichen Gründen – die ich mir vermutlich freilich nur einbilde.
Ich gebe zu, meine Neugier und die Aura des Ladens haben meinen, von durchrauchten Nächten geschändeten, Körper willenlos ferngesteuert. Sie zogen mich an, die Damen (Typ: Duftkerzenverkäuferin, die mit Yogalehrern schläft) und Herren (Typ: Yoga-Lehrer, der mit Duftkerzenverkäuferinnen schläft).
Ich bin dann auch rein. Habe mir sehr günstiges Sesamöl gekauft. Und dankend auf die 80 Gramm Hähnchenbrust für 10,71 € verzichtet. Für das erste Mal glückliche Hähnchenbrust war heute einfach nicht der richtige Tag.

2 Reaktionen zu “»Lost in the Supermarket«”

  1. miss f

    sehr cool. ein filmtipp passend zum thema: »mini’s first time«, rein zufällig mit luke wilson(!)

  2. chris

    haha wunderbarst :-)

    das mit der indie matte und ecken verstecken kommt mir mit 24 auch bekannt vor

    aloa – gruß vom stand.