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6:16

6. Februar 2008 von herr vogel

Viereinhalb Stunden habe ich geschlafen, sogar ganz gut wenn ich mich richtig erinnere. Was ich geträumt habe, weiß ich nicht mehr. Ich träume zurzeit nicht viel, zuletzt irgendwas Apokalyptisches mit Zombies. Das war vor drei Tagen. Jetzt ist mir kalt. Mir ist oft kalt, wenn ich nicht schlafen kann. Wenigstens habe ich keine Migräne. Vielleicht werde ich alt. Doch dass ich alt werde, ist etwas Gutes. Dann muss ich nicht mehr jung sein. Doch wenn man jung ist, dann werden einem Dinge verziehen. Schlechte Sätze, peinliches Pathos, Provokationen um der Provokation Willen. Es wird einem verziehen, weil man es einfach noch nicht besser weiß – selbst wenn man dies denkt. Wenn man alt wird, steigen die Ansprüche.
Wir sprachen von Identitäten, wir sprachen vom Posen. In Nächten wie diesen sehe ich nur das Gepose. Als ich aufhörte, über Liebe zu reden, habe ich begonnen, davon zu schreiben. Vielleicht sollte ich also mit dem Posen aufhören. Bisher nenne ich es Experimente. Aber nur, weil sie nicht gelingen. Versuche mit Informationsvergabe, vielleicht ein paar kleine Symbole. Und wenn ich in Truffauts Hitchcock-Buch über Symbole lese, die ich eigentlich sehr nett fand und wie sie Hitchcock in Rückbetrachtung geradezu verachtet, dann verleitet mich das zu dem Gedanken, dass ich wohl doch noch jung bin. Ich darf platt sein. Auch wenn Hitchcock nicht wie ein Mensch rüberkommt, der so etwas verzeiht. Wenn er über eine seiner eigenen Einstellungen so herzieht, dann hat das etwas Faszinierendes: Eine Tour-de-Force zu veranschaulichen, indem der Protagonist im Bild eine Rolltreppe nach unten fährt, das ist ihm viel zu simpel. Er schämt sich heute dafür, so würde er das nie wieder machen, sagt er. Ich dagegen fand die Symbolik nett, sehe auch keinen Grund, im Rückblick so hart mit sich selbst in Gericht zu gehen. Das Mittelmaß zu verachten ist eine interessante Eigenschaft, vorausgesetzt man ist selbst nicht mittelmäßig. Denn dann bleibt von der Arroganz nur die Vermessenheit, und die ist so furchtbar unsexy. Gut also, dass Hitchcock alles andere als mittelmäßig war. Doch was heißt das jetzt für mich? Ich denke, ich darf platt sein. Ich denke, ich darf alles. Schließlich ist man jung, da hat auch Hitchcock viel Mist gedreht. Sagt er ja selbst.

3 Reaktionen zu “6:16”

  1. miss f

    Plattheit – wenn reflektiert – kann aber auch echt was Anziehendes haben. Der einzig plausible Grund für die schon jahrelange (Jahrzehnte?) Existenz von Scooter.

  2. Johnny Trotz

    Scooter haben aber, und das darf man in keinem Diskurs der Welt vergessen, die sowohl dadaistisch als auch sozialkritisch zu lesende Frage gestellt, wieviel der Fisch denn kostet.

  3. miss f

    lieber herr trotz, da haben Sie jetzt aber sämtlichen scooteranhängern eine freude gemacht. erstmalig dürfen sie jetzt anläßlich des 14. februars guten Gewissens ganz im Bewusstsein der Sinnhaftigkeit und Legitimität ihres von Scooter geprägten Daseins -bestätigt von Johnny Trotz himself – mit liebestollen menschen zu »let me be your valentine« wegdancen.