Die Brigade | blog-briga.de

feel free to masturbate
Nach unten

Bruce Springsteen – Born To Run (1975)

18. Februar 2008 von herr vogel

springsteen_btr.jpg

»Als ob noch nicht genug Pathos da gewesen wäre: jetzt kommen die Streicher«

Die Herren Trotz und Vogel nehmen Platz an einem Wiener Küchentisch und hören alte Platten. Damit der Nachwelt diese wilde Kombination aus Irrsinn, Assoziationen, Kommentaren und Kritik erhalten bleibt, baten sie die WG-Sekretärin Lindsay L., den Verlauf dieser Konversationen stenographisch festzuhalten. Natürlich unbekleidet.


Start: 00:09 Uhr

THUNDER ROAD

Vogel: Dylan!
Trotz: Voll!
Vogel: Mundharmonika und so, geklaut! Das hör ich doch! Und von Elton John gleich mit!
Trotz: Aber du Folk-Null schreist ja Dylan, sobald du ne Mundharmonika hörst.
Vogel: Klar! Ich kenn doch sonst nix!
Trotz: Aber er klaut bei den richtigen
Vogel: Trotzdem: »Thunder Road« mag ich, ist auch der einzige Song, den ich von dem Album kenne.
Trotz: Die Platte ist übrigens in grenzwertigem Zustand. Ich hab das Album seit fünf Jahren. Nie gehört. So ist das mit den meisten meiner Platten, immer nur die Hits hören. Also Springsteen klingt irgendwie schwedisch.
Vogel: Hm.
Trotz: Ich find schon. So Jens Lekman und so, bißchen Pathos.
Vogel: Eben, Springsteen steht ja eigentlich für alles, was ich am weißen Rock hasse: Diese Posen.
Trotz: Ja! Aber er hat den Drummer von der Conan O’Brien Show dabei! Und den Typen mit dem Tuch in den Haaren
Vogel: Ja, ich glaub dieses Tuch muss man haben, um in seiner Band spielen zu dürfen. Die Musik ist halt echt okayer Stadionrock. Aber diese Posen!
Trotz: Aber der Song ist gut, bis auf das 80ger Saxophonsolo.
Vogel: Klassisch, der Springsteen konnte echt nicht ohne
Trotz: Aber sag mal, wer ist eigentlich die Frau in der Band, die immer so Gitarre spielt, dass man sie nicht hört!
Vogel: Quoten-Uschi! So heißt die glaub ich.
Trotz: Ich glaub das ist seine Allde. Ohne die darf er nicht auf Tour.
Vogel: Die bekam bei der Hochzeit erstmal das Haartuch für Bandmitglieder. »Cherry Darling« ist ja der einzige Song, den ich so wirklich mag.

TENTH AVENUE FREEZE-OUT

Trotz: Funky, schön
Vogel: Bar-Piano auch am Start
Trotz: Ich mag die Bläser. Also „Tenth Avenue Freeze-Out“ kann man auflegen. Wenn der Pathos grad nicht wäre
Vogel: Das macht der ja immer.
Trotz: Aber nur in der Stimme, nicht in der Musik.
Vogel: Und jetzt das Sax. Wenn das nicht wäre, würd ich es glatt mögen
Trotz: Die Bläser ziehen schön hoch. Das machen Bläser. Scheiß auf bpm. Spiel Bläser, wenn du Stimmung willlst. Hab ich seinerzeit vom großen DJ Dr. Jon Basel gelernt
Vogel: Treibt auch nett gegen Ende
Trotz: Das sind die Bläser
Vogel: Schon aus. Sag an.

NIGHT

Trotz: Jetzt nervt mich das lucking Sax aber
Vogel: Ich sag: Bruce, schmeiß das Saxophon raus!
Trotz: Aber er hat das Album auch selber produziert! Da fehlte der Produzent, der sagt: „Hömma, Bruce, weniger Saxophon, du Nase!“
Vogel: Ich find den Song grad echt mal völlig belanglos
Trotz: Das da oben sollte übrigens „fucking Sax“ heißen. „Lucking“ ist so ein Wort, das es leider nicht gibt
Vogel: »Lucking« könnte bedeuten, dass man gerade dabei ist, glücklich zu werden. Sexwise
Trotz: Perverse Sau. Ich hab ja keinen Sex. Weil ich so ungern schwitze. Belangloser Song, hasse Recht.
Vogel: Ein bisken Spocht würd dir aber mal gut tun
Trotz: Vergiss es!

BACKSTREETS

Trotz: Sport ist für Masochisten. Mach ich nicht. Außerdem sagt das der Kerl, der vom Zwei-Meter-Couchtragen einen Muskelkater hatte
Vogel: Ich sag ja nicht, dass ICH Sport treibe. Aber Dir würds gut tun. Ich dagegen seh von Natur aus gut aus (-> ein Nils-Zitat übrigens). Schönes belangloses Piano da!
Trotz: Zuviel Echo auf der Stimme. Macht mich krank.
Vogel: Jetzt wird’s Stadion!
Trotz: Stimmt.
Vogel: So im Refrain, mit muchos Gepose vorgetragen.
Trotz: Frage: Kann man auch Stadionrock machen, wenn man noch nicht in Stadien spielt?
Vogel: Ja! Aber nur drei Leute im Stadion sehen halt auch scheiße aus.
Trotz: Und so kleine Stadien gibt’s gar nicht. Den Killers wird ja immer Stadionrock unterstellt.
Vogel: Ja, die Killers. Total stadion mittlerweile, wie auch The Bravery. Die sind ja nur noch kacke
Trotz: Sagst du. Mir dagegen sind sie einfach wurscht. Aber ein neues Kooks-Album kommt im April. Und ich alter Popper freu mich drauf.
Vogel: Ich hab die letzte platte ja damals rezensieren müssen. Freiwillig. Also freiwillig rezensieren müssen. Ich hab sie sogar drei mal gehört
Trotz: Wen? Killers, Bravery oder Kooks?
Vogel: The Bravery – The Sun and the Moon, oder so
Trotz: Ich erinnere mich! Du fluchtest
Vogel: Ist das noch immer »Backstreets«? Urlang. Aber jetzt sehr hymnisch. Der schielte doch nur aufs Stadion
Trotz: Aber jetzt mal: Ich kann mir das vorstellen, in nem Stadion, während ich eine fette weiße Amerikanerin umarme. Screeeeeaaaammmmm!
Vogel: Ja, und Bud-Bier ausm Plastikbecher. Danach geht’s zurück, den Acker bestellen
Trotz: Also mir war das alles bis jetzt total überinstrumentiert. Zuviel Bling, zu wenig Substanz
Vogel: Jau, überladen, zu wenig Fokus. „Thunder Road“ war der beste Song bisher
Trotz: Aber bald kommt „Born to Run“!
Vogel: Juhu, Pause.
Trotz: Seite zwei? Seite zwei!
Vogel: Juhu!
Trotz: Juhu!

BORN TO RUN

Vogel: Fängt gut an
Trotz: Topsong! Den hat Adam Green mal gecovert! War auch gut! Und die Sache mit den „Suicide Machines“ hatte glaub ich Einfluss auf Futurama!
Vogel: Oh, erste Folge. Nice! … Doch, der Song passt.
Trotz: „Strap your hands cross my engine” – Die Sau!
Vogel: Da kommt er auch mit dem Sax davon
Trotz: Was ein Song!
Vogel: Ist auch nicht so überladen wie das Zeug Ende der A-Seite
Trotz: Und seine Stimme in der Strophe ist echt cool
Vogel: Jedes Mal, wenn wir jetzt eine B-Seite auflegen werd ich sagen: »Ich hatte ja mal eine Kolumne, die hieß so«
Trotz: Hehe! Recht hast du
Vogel: Ich schenk mal Wein nach, während Bruce gerade alles gibt.
Trotz: Tu das, Judas
Vogel: Also bitte, ich trink nur den, den du nicht haben willst. Aber zu Recht, ich merk das Kopfweh jetzt schon
Trotz: Château de Migraine
Vogel: Der schäumt wie Sau, ich glaub das ist Plörre.
Trotz: Ein feiner Tropfen. Weine dürfen sprudeln. Aber er heißt einfach nur Weißwein aus Weißweinen.
Vogel: Großes Finale grad!
Trotz: Das ist kein Qualitätsmerkmal. Ich bleib beim Merlot. Wie der Schuster bei seinen Leisten
Vogel: Ja. Bier ist ja aus
Trotz: Großes Finale!
Vogel: In der Not trinkt der Vogel Weißwein.

SHE’S THE ONE

Vogel: Du, ich glaub der hat das im leeren Stadion eingesungen
Trotz: Das Keyboard geht gar nicht. Was soll das sein? Rockabilly? … Lach du nur, ich glaub der versucht das. Jetzt Funkgitarre?
Vogel: Und das scheiß Sax schon wieder.
Trotz: Hmmmmpf.
Vogel: Ich hab mich schon gefragt, wo das bleibt.
Trotz: Die Saxophonistin heißt Clarence Clemons. Leute mit Alliterationsnamen sind mir ja grundsätzlich unsympathisch.
Vogel: Jau der ist schon gut, so technisch gesehen. Ist ein Kerl übrigens. Der Song ist zu lang, ca. 10 Minuten.
Trotz: Ooooh, Stimmung!

MEETING ACROSS THE RIVER

Vogel: Ganz klassisch balladistisch sozusagen
Trotz: Ich mag das Instrumentar hier. Sogar die Trompete ist okay. Aber vielleicht nur, weil der Trompeter tot ist.
Vogel: Stimmt, das macht sie sympathisch
Trotz: Dass der Tod des Handwerkers den Wert des Werkes erhöht, wird man auch im nächsten Batman sehen
Vogel: Ach Heath, ich hab ihn gern gesehen. Kirsten Dunst haben sie ja heute auch eingeliefert. Oder sie sich wohl selbst, sternhagelvoll irgendwo in Utah.
Trotz: Hab ich auch im Feed gelesen. Aber wenn Rehab, dann bitte im Winter in Utah. Naja, das Lied ist trotzdem pathetischer Rotz.
Vogel: Jau, ich hätte mir die Platte nicht gekauft an deiner Stelle.
Trotz: Als ob noch nicht genug Pathos da gewesen wäre: jetzt kommen die Streicher
Vogel: Oh, da Elton-John-Piano wieder. Tiny Dancer, Mona Lisa & Mad Hatters. Was auch immer.
Trotz: Das kommt davon, wenn man auf dem Flohmarkt Platten kauft. Daher kommt auch meine umfassende Dire Straits Sammlung.
Vogel: Mach ich aber auch. Talking Heads gefunden und J.J. Cale
Trotz: Na schau, manchmal findet man tolle Sachen. Carpenters zum Bleistift
Vogel: Aber vom Springsteen würde man ja auch denken: Oh, hier, Klassiker und so. Hätte ich wahrscheinlich auch gekauft für 5 Euro
Trotz: Die Drums sind erstaunlich highlightfrei. Das ganze Album lang. Wo doch Max Weinberg so ein toller Drummer ist.
Vogel: Ja, „dezent“ wäre nett gesagt
Trotz: Fünf Euro? Ich hab zwei gezahlt, du Bonze!
Vogel: Verschenkt der Springsteen seine Platten nicht auch mittlerweile mit einer Tageszeitung?
Trotz: Irgendwer macht das. In England aber, nicht in den USA
Vogel: Jau, irgendwer und die Eagles
Trotz: Nichts gegen die Eagles! Meine Mutter hat von DREI separaten Menschen zu Weihnachten die neue Eagles geschenkt gekriegt
Vogel: Wow, old habits die hard
Trotz: Nichts da old habits. old people! Das ist noch Pop!
Vogel: Meine Eltern hören ja keine neue Musik mehr. Nur ihre alten Platten. Aber die letzte von Santana, da wurde mal reingehört. Genau ein Mal glaub ich.
Trotz: Meine Mutter kann ihre alten Platten nicht mehr hören. Die hab ich nämlich alle geklaut. Viel Scheiße dabei, sag ich dir.
Vogel: Richtig so! Ich wollte ja auch Platten klauen, aber mir wurden Schläge angedroht.
Trotz: Einmal hat mich meine Mutter geschüttelt. Ich hatte einen Schlafanzug an! Meine früheste Kindheitserinnerung.
Vogel: Man muss sich diese Geschichte jetzt vorstellen, mit vollem Springsteen-Pathos untermalt.
Trotz: Unbedingt! Ich mit Brille! Im Schlafanzug! Mit Autos drauf! Geschüttelt!
Vogel: Ich hab mich mal auf die Brille meiner Schwester gesetzt, fällt mir dazu spontan ein. Nein, ich wurde ja nie geschlagen. Hätte mir aber sicher gut getan!
Trotz: Ich kann, wenn du willst
Vogel: Menschen, die Santana hören, schlagen glaub ich keine Kinder. Meine sind also auch sicher.
Trotz: „Everything is Coming Our Way“ ist der beste Santana Songa aller Zeiten. Vielleicht. Das Lied ist aber jetzt super, eigentlich. Nur halt zu lang.
Vogel: Ja, ziemlich genau um die Länge des Songs.
Trotz: Aber die Pausen sind für dicke amerikanische Frauen, damit sie hüpfen und kreischen können
Vogel: Ich will keine dicken Frauen hüpfen sehen.
Trotz: Das war’s! Platte aus, kann man eigentlich einstampfen das Ding.
Vogel: Als wär nix gewesen! Zwei gute Songs, das wars
Trotz: Jupp. Und dafür reicht ne 7 Zoll Single.
Vogel: Abschließende Worte vielleicht?
Trotz: Ich hoff die nächste Platte wird besser

Ende: 00:56 Uhr

5 Reaktionen zu “Bruce Springsteen – Born To Run (1975)”

  1. Johnny Trotz

    ich weiss jetzt, warum niemand kommentiert: Die sind allesamt auf Egay und versuchen sich Born To Run (1975) auf pressöl zu besorgen. in optimal runtergehobeltem Zustand, versteht sich, damit die saxophone ihnen auch schön die Ovarien kitzeln!

  2. DaRow

    Prince/Symbol/TAFKAP hat sein Album in inna Britische Sonntagszeitung verschenkt. Ansonsten bin ick natürlich ma gespannt wat eure nächste Platte sein wird……..Ich hatte nur eine einzige Vinylplatte in meinen Leben »Peter und der Wolf«, ein Hörspiel.

  3. miss f

    beim dritten anlauf hab ichs geschafft es von vorn bis hinten zu lesen, denn die (neue) medien sind schuld an meiner mangelnden konzentrationsfähigkeit. aber das nur nebenbei. denn Sie haben ja großes geboten: ein nicht geschlagener und nicht schlägernder herr vogel, ein im schlafanzug platten stibitzender herr trotz gemixt mit altbewährten, immer beliebten dicken amerikanischen frauenklischees. das gefällt und darauf trinke ich (im rein metaphorischen sinne. zunächst).

  4. luis

    des ist die mit abstand schlechteste kritik zu diesem album, die ich je gelesen habe. über geschmack lässt sich natürlich streiten, aber so ein meisterwerk so in den dreck zu ziehen ist komplett daneben. dieses album wird nicht umsonst von vielen als eines der besten, wenn nicht sogar das beste rock album angesehen. ein meilenstein der musikgeschichte

  5. Trotz

    ey vogel! wir müssen das mal wieder machen! das liest sich so lustig!