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Coital Content (Johnny Trotz hat keinen Sex)

3. März 2008 von Johnny Trotz

Regelmäßig, meine Damen und auch Herren, passiert es mir in diesen Tagen, in denen sich die Stadt in den ersten sanften Strahlen eines kaum erahnten Frühlings räkelt, dass Bekannte mir eine Frage stellen, die mein Verhalten betrifft. Ein Verhalten, das in starkem Kontrast zu dem steht, was das frühlingsbedingte Hormondiktat von unserer Spezies – den urbanen Twentysomethings des paneuropäischen Großstadtsumpfes – zu verlangen scheint.

Warum also, fragen sie, warum dieser Widerspruch, Herr Trotz? Warum zwängen sie sich, der trotz mangelnder Profilschönheit durchaus als akzeptabel aussehend bezeichnet werden könnte, der selbstsicher und entspannt im Stande ist, horizontales Molchinteresse bei einigen Mitgliedern beider Geschlechter auszulösen, sie, der schon vor Jahren herausgefunden hat, dass man sich bei der Zwiesprache mit dem Endziel des Genitalkontaktes entweder als cooler oder uncooler, niemals aber als der, der man wirklich ist, darstellen muss – warum bitte zwängen sie sich durch mantra-artige Manifest-Exklamation (Wortlaut: »Ich habe keinen Sex«) in ein Zölibat, das wohl bei aktiv-dogmatischen Mitgliedern organisierter Religionen als normal bezeichnet werden könnte, nicht jedoch bei jungen Menschen, die egozentrisch, narzisstisch und ohne religionsrelevanten Ballast durch ihr Leben stolpern?

Ist es, wie so oft vermutet wird, ihr Hang zur Hypochondrie, der sie in der letzten Zeit auf penetrativen Kontakt verzichten lässt? Ist es die Angst vor ungewollten, weil im eigenen Lebensplan als zu früh erachteten Schwangerschaften? Ist es die Verdunstungskälte, die einen oft ereilt, wenn man verschwitzt, erschöpft und post-koital nebeneinander zusammenbricht? Ist es vielleicht ein Gefühl der Unzulänglichkeit was sexuelle Erfüllung orgasmo-arithmetischer Erwartungen angeht, die dazu führt, dass sie es bevorzugen, lieber ganz darauf zu verzichten, anderen beizuschlafen?

Fellatio, Cunnilingus und Coitus, die klingen wie römische Kaiser und doch nur das Eine meinen. Intercourse, outercourse – wie Highways schallen sie in wohlgesonnen Ohren! Petting und Necking – seit ihr Oberösterreichische Wallfahrtsorte oder doch nur Fummeln? Gonaden – knirscht zwischen euren Zähnen Wüstensand oder hängt ihr nur so rum?

Warum nur, können sie, Herr Trotz, nur auf diesen wunderbaren, intimen Austausch von tierischem Verlangen, zeilgerichteter Selbstlosigkeit und befriedigendem Horizontaljogging verzichten wollen? Wie können sie das nur wollen?

Diese Frage nun, will ich ihnen, werte Bekannte – mit Nachdruck, durchdacht, kausal nachvollziehbar und wahrheitsgemäß – nur allzu gerne beantworten:

Zu gegebenem Zeitpunkt, versteht sich.

4 Reaktionen zu “Coital Content (Johnny Trotz hat keinen Sex)”

  1. Johnny Trotz

    habe soeben erschreckt festgestellt, dass hier immer über sex schreibe. das tut mir leid. aber wenigstens singe ich nicht drüber. dann müsste ich nämlich ins englische wechseln, meint eine hamburger band.

  2. miss f

    danke. schön. vor allem »post-coital nebeneinander zusammenbrechen« und »orgasmo-arithmetisch«. mit sowas kann man mich glücklich machen.

    und…
    ich habe mich auch schon oft gefragt, ob ein vemehrtes Praktizieren von GV die Antwort wäre, um auch meiner sexuell oft konnotierten Schreiberei Herr werden zu können. Ich denke aber nicht wirklich.

  3. Captain Soda

    lieber herr trotz
    auf jedenfall interessant und überdenkenswert sich wirklcih gewollt diesem zölibat zu verschreiben…

    ist man nach jahrelangem praktizieren dem ganzen überdrüssig geworden?
    sie sind in guter gesellschaft. zumindest gewesen. vergessen sie nicht jenen herren dessen namen sie am liebsten einer katze geben würden. nicht links und nicht rex dass will man keinem tier antun ( und keinem songschreiber der das dann lustig finden muss)

    ja schreiben sie mein leibe rherr trotz über sex, auf deutsch auf englsich auf spanisch..
    da herrscht aufklärungsbedarf. besonders im bezug auf warum leute keinen sex haben.

    zu viel gesagt?
    ich muss reden auch wenn ich schweigen muss
    gute nacht

  4. miss f

    ich schließe mich an und plädiere für eine eigene kategorie. der name? nur ein vorschlag: »sexual healing«…