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The Mamas And The Papas – 16 Of Their Greatest Hits (1970)

2. März 2008 von herr vogel

mamaspapas_brig.jpg

»Klingt gleich komplett anders. Mama Cass hat bestimmt gewusst, dass der Kevin da sterben muss und hat schonmal auf Moll gewechselt.«

Die Herren Trotz und Vogel nehmen wiedermal Platz am Wiener Küchentisch und hören alte Platten. Damit der Nachwelt diese wilde Kombination aus Irrsinn, Assoziationen, Kommentaren und Kritik erhalten bleibt, hat Lindsay Lohan wieder mitgeschrieben. Noch immer unbekleidet.

Trotz: Was ist als nächstes?
Vogel: Okay, ein Best-of, obwohl wir die ja eigentlich nicht nehmen wollten hierfür. Aber in Wiener Worten: „Is uns wurscht“.
Trotz: Recht hast du. Ausserdem hab ich Best-Ofs galore.
Vogel: The Mamas And The Papas – 16 Of Their Greatest Hits.
Trotz: Also eigentlich alle Lieder, die sie je geschrieben haben.
Vogel: Ich drück mal Play.

CALIFORNIA DREAMING
Trotz: Ich mag die Gitarren. In Stereo!
Vogel: Ich mag diesen aufgesetzten Hippiescheiß.
Trotz: Und Big Mama Cass in der Leadstimme. Ausserdem: Nix da aufgesetzt! Die waren total real, baby!
Vogel: Oh ja Stereo, ich hab die Frauenstimmen auf meiner Seite. Alles wie immer also. Real? Die waren genauso real wie der “If you’re going to San Francisco put flowers in your hair” Typ.
Trotz: Mr. Tambourine Man spielt mit.
Vogel: Oh, wie doppeldeutig. Nice!
Trotz: ach.com
Vogel: Ich kuck aufs Cover grad, die eine ist echt hübsch.
Trotz: „On a Winters Day“. Meinst du die Korpulente?
Vogel: Nee, die Sexy-gelangweilte. Ein Traum. Die durfte bestimmt nicht singen. Das durfte nur die Dicke.
Trotz: Und der Rechte hat die Mutter aller Rotzbremsen am Start.

DEDICATED TO THE ONE I LOVE
Vogel: Das Lied kenn ich nichtmal.
Trotz: Zuviel Echo. Ich kenn das Lied auch nicht. Aber das hört sich mehr nach Fifties an. Dann kommt Sechziger-Dekonstruktion in der Männerstimme! Irgendwie Schunkelig, die Chose.
Vogel: Ja, nett. Wie frühe Popmusik.
Trotz: DAS IST FRÜHE POPMUSIK. Echt guter Song auch. Bis auf den Refrain.
Vogel: Naja, ich weiß nicht. Ist doch bestimmt schon aus den Siebzigern. Was kaufst du auch für Platten, wo das nicht draufsteht!

I CALL YOUR NAME
Vogel: Überhaupt: Schwer soulig grad.
Trotz: 1965 bis 68 waren die Mütter und Väter unterwegs. Ich mag das Lied, wirklich.
Vogel: Jetzt Beat. Du bist ja eh so ein Popper. Klar, dass dir das Lied gefällt.
Trotz: Stimmt. Schuldig im Sinne der Anklage. Als Mama Cass‘ „Make Your Own Kind Of Music“ in der ersten Folge der zweiten Staffel LOST lief, hab ich mich fast bepisst vor Freude.
Vogel: Ich dagegen hab ja heute eine Stunde Drowning Pool gehört. Frag nicht wieso.
Trotz: Aber von LOST hast du ja auch keine Ahnung
Vogel: Da bin ich ja auch fast ein bisschen stolz drauf.
Trotz: Popkulturell hinterm Ofen verkrochen, oder was?
Vogel: Kelche, die vorübergehen.
Trotz: That Boy‘s an Indie-Cindy
Vogel: Hadouken?
Trotz: Jau. Die sind ja die heiße Scheiße dieses Jahr, meint der TazPopBlog. Sind die hinten an!
Vogel: Die waren im letzten Jahr schon cool.
Trotz: Wir fanden Hadouken! auch schon wieder blöd. So voran sind wir!
Vogel: Wir haben im Votivpark rumgesessen und Bier getrunken.
Trotz: Das war noch bevor wir unsere Liebe für Statuen entdeckt haben!
Vogel: Und du so: Hadouken! hören.
Trotz: „I Call Your Name“ ist dir doch bestimmt zu Country, oder?
Vogel: Das Lied ist cool, ich denke deswegen kam ich grad auf die alten Geschichten.
Trotz: Nostalgie galore!

CREEQUE ALLEY
Vogel: Das da ist mir jetzt zu sehr Country.
Trotz: Glückliche Zeiten: da waren offene Akkorde noch ohne Lagerfeuer erlaubt. Oh, hast du das gehört? Da wurde der eigene Name im Song gedroppt! Also war „Sincerely Thees Uhlmann“ doch gar keine originelle Idee!
Vogel: Das ist so Fingerschnipp-Country. Jens Lekman hat das ja auch gemacht kürzlich. Mit dem Namedropping.
Trotz: Toller Text, grad wurde „the wind in the wires“ gesungen. Ein Patrick Wolf-Verweis. In diesem Lied wurde 2005 vorausgesagt! Mama Cass, die Nostradame des Country-Pop!
Vogel: Mit Patrick Wolf kenn ich mich nicht aus.
Trotz: Obwohl ich dir zwei CDs von ihm geschenkt habe!
Vogel: Drei sogar. Die Magic Position hab ich gehört, die anderen stehen noch auf meiner Liste, gleich neben Radiohead.
Trotz: Deine Liste….
Vogel: Den Umfang hat sie ja. Dementsprechende Weitsicht.
Trotz: Apropos Umfang: Weisst du, woran Big Mama Cass gestorben ist?
Vogel: Hat da Klosterman drüber geschrieben?

DANCING IN THE STREET
Trotz: Kann mich nicht erinnern. Na, wie ist sie gestorben?
Vogel: Den Elvis-Weg? Ist das jetzt politisch unkorrekt, wenn ich sowas vermute?
Trotz: Nee, viel interessanter: Sie ist erstickt. An einem Sandwich! Kein Scheiß.
Vogel: Direkt im Anschluss an zwei Live-Performances, les ich gerade.
Trotz: Wie jetzt? Whackopedia nebenher?
Vogel: Hat mich jetzt interessiert und ich dachte, ich könnte damit prahlen. Die Schreiben aber, dass sie einen Herzinfarkt hatte.

Der Brigaden-Recherche-Praktikant Kevin-Jonathan Fromm, der uns letzten Sommer als einziger Tokio Hotel Roadie mit Bartwuchs vergestellt wurde, und den wir den Kaulitz-Brothers nur unter wilden Androhungen unserer panmedialen Meinungsmacht abpressen konnten, wies uns hier darauf hin, dass Mama Cass Elliott im Schlaf an einem Herzinfarkt gestorben ist, und, obschon ein Sandwich zum Zeitpunkt ihres Todes halbgegessen anwesend war, es definitiv nichts mit ihrem Tod zu tun hatte. Interessanterweise starb The Who-Drummer Keith Moon vier Jahre später in der selben Wohnung wie Mama Cass.

Vogel: Dancing in the Street ist ja auch so ein Klassiker.
Trotz: Wobei diese Version echt jazzig ist.
Vogel: Jau, auch ein bisschen Stadion. Kann mir da gut den Springsteen mit Haarband vorstellen.
Trotz: „Dancing in the Street“ auf dem Forest Gump Soundtrack ist von The 5th Dimension. Wobei: ist es garnicht.
Vogel: Willst du jetzt mit Nerd-Wissen punkten?
Trotz: Eigentlich schon. The 5th Dimension haben „Land of 1000 Dances/Aquarius“ gemacht.
Vogel: Gefährliches Halbwissen ist ja ihr Spezialgebiet. „Dancing in the Street“ ist ein Motownsong im Original.
Trotz: Ganz ohne Suckopedia?
Vogel: Natürlich! Nur im Notfall.
Trotz: Wir können ja auch einfach dieses Skypelog auf Weinerpedia Stellen. Mehr muss man eigentlich nicht wissen über dieses Album.
Vogel: The Mamas & The Papas haben ja echt nette Popmusik gemacht, aber umgehauen haben sie mich jetzt nicht.
Trotz: Naja, da sind schon ein paar tolle Sachen dabei.
Vogel: Ich google mal Bilder von der sexy-gelangweilten.
Trotz: He! Keine Masturbation am Küchentisch! Das steht in der Hausordnung.
Vogel: Gucken darf man! Hat Google einen Zeitfilter? Ich will von der keine Fotos auf denen sie älter ist als 30.

GO WHERE YOU WANNA GO
Trotz: Sehr schöne Stimmen!
Vogel: Da ist schon ein bisschen Abba drinnen, oder?
Trotz: Also in Abba ist ein bisschen The Mamas & The Papas drinnen.
Vogel: Mein ich doch.
Trotz: Irgendwie trotzdem schön. Trotz der Unmengen Kitsch, die von der Platte abspritzen.
Vogel: Oh, die sexy-gelangweilte war mit Dennis Hopper verheiratet, genau eine Woche lang.
Trotz: „Abspritzen“ ist viel zu sexuell konnotiert. Let me rephrase: heruntersiffen.
Vogel: Triefen!
Trotz: Triefen!

MY GIRL
Trotz: My Girl. Beschissener Film. Aber ich habe geheult
Vogel: Ich habe umgeschaltet.
Trotz: Weil du Angst vor toten Kinderstars hast.
Vogel: Der Kevin lebt doch noch!
Trotz: Jaja, aber im Film war er tot. Wespenstiche.
Vogel: Hast du mir gerade My Girl gespoilert?
Trotz: Gespoilt, wenn dann. Zum Spoilern braucht man nen Manta, nen Akkuschrauber und nen Pott-Dialekt.
Vogel: Toll. Ein ruiniertes Filmerlebnis mehr. Sag mal, kennst du The Sixth Sense?
Trotz: Grad ham sie auf Moll gewechselt. Wie schön.
Vogel: Find ich super.
Trotz: Den Wechsel auf Moll gibt‘s im Original nicht.
Vogel: Klingt gleich komplett anders. Mama Cass hat bestimmt gewusst, dass der Kevin da sterben muss und hat schonmal auf Moll gewechselt.
Trotz: Ich glaub die sexy-distanzierte spielt nur Tambourin.
Vogel: Mrs. Tambourine Man, ich find sie toll.

LOOK THROUGH MY WINDOW
Trotz: Ist auch gecovert, glaub ich. Aber bei dem ganzen gecovere kennt sich ja keiner mehr aus.
Vogel: Ich glaub ja, als die Abba erfunden haben dachten die sich: Wir müssen das machen wie The Mamas & The Papas, nur ohne die Dicke. Und mit mehr Disco.
Trotz: Haben sich die von Freaks & Geeks auch gedacht.
Vogel: Was, lassen wir die Dicke weg? Ich find das ja diskriminierend.
Trotz: Nee, dafür gab‘s ja Seth Rogen. Ich meinte die haben sich auch mehr Disco gedacht.
Vogel: Ich erinnere mich nicht. Erleuchte mich!
Trotz: Die Folge heisst „Discos and Dragons“, Rogen und Franco wollen den Segel aus den Fittichen der Discobewegung befreien.
Vogel: Also total Detroit Rock City. Ich dachte Segel, der Typ mit dem 30-Toms-Schlagzeug wäre mit der Cardellini zusammen in der Serie?
Trotz: Nee, waren sie nur am Anfang. Aber er tanzt aus dem selben Grund wie alle Männer: Fellatio.
Vogel: Also ich tanze, weil ich dabei unglaublich gut aussehe.

TWIST AND SHOUT
Trotz: Das ist ja mal die untanzbarste Version von Twist and Shout aller Zeiten.
Vogel: Wie kann man aus Twist and Shout einen derart deprimierenden Song machen? Also diese Version ist furchtbar.
Trotz: Ich finde sie interessant
Vogel: Ja, so debil-nett
Trotz: Trotzdem. Wie kann man bitte die textuelle Tanzthematik derart untanzbar vertonen?
Vogel: AntiklimaKtisch, irgendwie.

I SAW HER AGAIN
Trotz: Also mir ist das Lied wurscht.
Vogel: Klingt ein bisschen wie „Fox on the Run“ von The Sweet mit angezogener Handbremse. Das löst bei mir gerade das Cheers-Themesong-Gefühl aus. Where everybody knows your name und so.
Trotz: You‘re fucking over-referenced, you are!
Vogel: Ich muss doch auch mal ein Bisschen prollen, das mit The Sweet grad war zum Beispiel totaler Blödsinn. Das hab ich nur gesagt, weil du The Sweet nicht kennst.
Trotz: Schweinesau! Tiefschlag in meine musikhistorischen Weichteile!

DREAM A LITTLE DREAM OF ME
Trotz: Die Mutter aller The Mamas & The Papa Schmonzetten.
Vogel: Klassiker, juhu! Sowas will ich jeden Abend vor dem Einschlafen hören.
Trotz: Ich will vor dem Einschlafen immer „Moon River“ hören.
Vogel: Dauert dann auch garnicht lange mit dem Einschlafen.
Trotz: Dieses Schlagzeug. Gehaucht. Und das Klavier klingt nach einem Saloon in Nevada, ca. 1886.
Vogel: Ich glaub ich sitz vor dem falschen Lausprecher.
Trotz: Nichts da, du bist taub vom Discotanzen zum Zwecke geschlechtlicher Freuden. Deswegen hab ich ja auch keinen Sex.
Vogel: Aber du hast recht. Saloon, Menschen trinken Milch und Mama Cass räkelt sich auf dem Piano.
Trotz: Ich muss kotzen.
Vogel: Wegen Mama Cass im kleinen Roten auf einem Piano?
Trotz: Nee, wegen der Milch. Ich bin Lactose-intolerant. Ich bin auch Arschloch-Intolerant. Beziehungsweise: das war ich. Letztendlich ist das aber nur in Selbsthass ausgeartet.

TRIP, STUMBLE AND FALL
Vogel: Das mit der Lactose ist mir neu. Scheiß Hypochonder.
Trotz: Also laut der aristothelischen Erzählmaus ist dieser Song die Peripetie. Retardierendes Moment und so. „Monday Monday“ ist dann die Katastrophe.

MONDAY MONDAY
Vogel: Die sexy-gelangweilte Phillips ist übrigens die letzte Überlebende der Band.
Trotz: Du schmachtest!
Vogel: Ich schunkele.
Trotz: Sexy und distanziert.
Vogel: Klar: Mythos wahren.
Trotz: Das Problem dieser Platte ist glaub ich, dass man über die Songs nicht viel sagen kann, nur über die Stimmen.
Vogel: Ich glaub Mama Cass war eine große Inspiration für die Sängerin von The Gossip.
Trotz: „Beth Ditto: Die Big Mama Cass des Indierock.” So eine Überschrift muss sich doch verkaufen lassen.

5 Reaktionen zu “The Mamas And The Papas – 16 Of Their Greatest Hits (1970)”

  1. miss f

    gefällt! mehr von den netten wortgefecht-elementen gegen ende bitte! mama cass hat mir einen zu albernen namen. da muss ich immer an käse denken und wer kann käse ernstnehmen? man denke z.b. an menschen, die beim fotografiert werden »cheese« sagen. aber das führt jetzt zu weit. genauso albern war doch auch der name von kevin im film »my girl« oder?! my girl 2 war übrigens echt überraschend okay.

  2. Johnny Trotz

    Kevin hieß im film thomas J. sennett. den namen finde ich eigentlich okay, aber das mädchen hieß Vada Sultenfuss. Und das ist ein sehr komischer name.

    mama cass? Käse? das führt jetzt zu weit.

  3. herr vogel

    wollte grad sagen, der kevin hieß doch thomas im film, voll okay find ich. vada sultenfuss kriegt aber mein veto, definitiv.

  4. miss f

    hab auch schon auf imdb recherchiert. meine halb wahrhaftigen erinnerungen immer. sie war es mit dem komischen namen. aber zu der für mich nicht auszurottenden assoziativen verbindung ›mama cass und käse‹ steh ich nach wie vor. seht sie euch doch an! »käse formte diesen körper« schreit das förmlich…

    herr trotz, schreiben sie doch bitte mehr über die Gründe, warum sie keinen sex praktizieren. dafür notwendiges schwitzen und disco tanzen kann nicht alles sein!

  5. Captain Soda

    oh geil. das ist ganz gnaz gross superlustig alles. bitte um szenische vorlesung auf tour :) durch äh wien und äh wien-land.
    ich mag wohl sagen dass my girl besser war als my girl 2 miss flanders. das war kevin verdammt mit einem spießernamen. und darth-vada mit ihrem stimmungsring..ach ach..und im kinderwurlitze rlief ejde woch egelcih 3 mal das musikvideo zu mygirl..genau wie ervything i do vom adams bryan und crazy for you vom halelhoff dabvid in der lederjacke am motoradl und in de rhochschaubahn…aba das führt nun auch zu weit.. aba hey ich will den kinderwurlitzer zurück! :)

    und wennmorrissye sein moon river auf 12 minuten zieht…dann ist das eine gute gute gutenacht lektüre, nein wie heisst das dann aktüre? audiotüre?
    was wäre denn bitte ine audiotüre sowas was biem douglas adams vorkommt? eine tür die spricht und sihc immer bedankt dass sie sich gerade öffnen und schliessen durfte?

    wollt jA EIgentlcih nr usagen dass das eine sehr lustige udn spannende gscihte war das hier zu lesen.