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Johnny Trotz via SMS: Liveblogging aus dem Herz der Finsternis

18. April 2008 von Johnny Trotz

Herr Trotz befindet sich soeben in einem leicht überfüllten Fiat Cinquecento. Man fährt 140, hört Kronehit und staunt über die himmelschreiende Hässlichkeit der Schallschutzwände, die den Blick auf das so nette Waldviertel verwehren. Die Insassen der Ölkanne, die jedes Bremsen zur Nahtoderfahrung macht: Herr Trotz (gewohnt misanthrop, aber galant), Eleanora (die Prager Granny-Smith-Degustatorin mit Migrationshintergrund), Frank (nett, harmlos, Typ unfreiwilliger WU-Student) und Clarabella, die Fahrerin. Clarabella arbeitet bei der Bank und ist Ärztefan. Naja, nicht wirklich, sie mag Dreitagebart und den Schundersong. Aber nur ganz leise.

Werte Brigade-Fanboys und -grrrls: Ich mag Clarabella nicht so wirklich. Clarabella ist nämlich für die Zickenschaft der Welt das, was der homo sapiens für die restliche Tierwelt ist: Vorbild und Bedrohung zugleich. Außerdem ist Frank Clarabellas Boyfriend. Ich benutze diesen mit Bravo-Girl-Glitzerarmbändern konnotierten Ausdruck nicht umsonst: Bei Frankabella hat sich der zweijährige Entwicklungsvorsprung des weiblichen Teils des Menschengeschlechts bis in die Mittzwanziger gehalten: Clarabella benimmt sich, als wäre sie Franks Mutter. Nein, falsch: Stiefmutter.

Tankstopp!
Ich muss Bier kaufen.

Jetzt trinke ich Gösser und verachte die Steirer aufgrund ihrer Kleinkunst zutiefst. Das liegt aber daran, das meine Stichprobe betreffs Steirer Kleinkunst auf dem Steirerfest am Wiener Rathausplatz getätigt [wurde]. Und das ist nun wirklich nicht repräsentativ. Aber für Positivismus ist das Leben nun wirklich zu kurz.

Aber zurück zu Frankabella. Oder besser: Warum mir Frank so leid tut. Er so: Heute kommt die neue Kettcar raus! Sie so: (schweigen). Und schon wusste ich, warum ich lieber zärtliches Link-Zuraunen mit den gutaussehenden Herren und Damen Brigadenlesern praktiziere als mich in Liebesbeziehungen anschweigen zu lassen. Denn wenn ich euch sagen würde, dass heute »Sylt«, die neuste Industrial-Schlagersahne der Wiebusch-Brös rauskommt, dann würdet ihr vor Freude jauchzen, mir meinen Musikgeschmack absprechen oder postironisch »Bam, Oida« kommentieren.

Aber schweigen würdet ihr nicht.

4 Reaktionen zu “Johnny Trotz via SMS: Liveblogging aus dem Herz der Finsternis”

  1. herr vogel

    Gold. Und wenn er nicht die Staatsgrenze überquert hätte, würde er mir noch immer eine seiner tausend, freitagfrühabenderhellenden Gratis-SMS schicken. Und auch noch ein Ciquecento, haha. Live aus dem »Herz der Finsternis«, um bei der Schmidt-Dengler’schen Bezeichnung des Waldviertels zu bleiben.

    edit: »Liveblogging aus dem Herz der Finsternis« wäre der bessere Titel gewesen.

  2. Johnny Trotz

    Herr Vogel, ich danke heftig! Sie haben mir die schmerzhafte Autofahrt um einiges angenehmer gemacht!

  3. miss f

    Juhu!!!! ich war auch 5 minuten am steirerfest am rathausplatz. daraus wird sich bestimmt noch ein text ergeben. wie cool, wäre es gewesen, wenn ich jetzt schon damit thematisch passenderweise auftrumpfen hätte können… tja, so kann ichs nur anteasen und viel spaß in der heimat wünschen. Toll: »link-zuraunen…« und die »glitzerarmbändchen«, so schön neunziger. wer kennt noch das »sugar« und diese flachen, wild bemusterten schnalzbänder, die man sich ums handgelenk geschnalzt hat? ich stand und steh drauf.

  4. Johnny Trotz

    ich hab mal den titel geändert!