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Herrn Vogels fröhliches EM-Tagebuch, Teil 1: Es hat Fußball!

31. Mai 2008 von herr vogel

Ich freue mich auf die Europameisterschaft. Das ist jetzt keine so gewöhnliche Aussage, wie man anfangs denken sollte. Zumindest nicht, wenn man in Österreich lebt. Nicht, weil österreichische Fußballer besser Ski fahren als sie Fußball spielen und sich deshalb niemand auf das Turnier freut. Nein, weil es in der studentischen Parallelgesellschaft* allgemein nicht ganz so cool ist, diesen Proletensport namens Fußball zu mögen. Und wenn man sonst kein Fußballfan ist, dann sollte man das auch bitte nicht zu großen Turnieren werden.

Rückblick 2006: Deutschland im Ausnahmezustand. Vom Neugeborenen bis zum Scheintoten findet sich in so einem Autokorso alles, was menschlich und deutsch ist. Auch Frauen. Hupend durch die Stadt, gleich nach dem Public Viewing und die Polizei gibt sich verständnisvoll als grün-weißes Spaßmobil. Es folgte eine nationale Debatte über Darf-man-das, wie sie in jedem anderen fußballbegeisterten Land undenkbar wäre. Gegenargument: Deutschland ist eben nicht jedes Land, weil Hitler. Gegenargument zum Gegenargument: Deutschland 2006 ist nicht Hitler. Aber immerhin, es werden Fahnen geschwenkt. Zum gleichen Zeitpunkt war ich in Wien und treffe in der Straßenbahn auf einen besoffenen Deutschen im Bayern-München-Trikot. Er jubelte, ein Sack Reis fiel um.

Zugegeben, an der folgenden Euphorie zur Handball-WM habe ich auch kein gutes Haar gelassen. Aber mittlerweile fallen so Fahnenschwenkereien bei mir in die Kategorie Abtreibung-Todesstrafe-Atomkraftwerk: Ich weiß es nicht und überhaupt ist die Welt zu kompliziert für radikale Ansichten. Will sagen: Ich freu mich auf die Europameisterschaft, weil da wird Fußball gespielt.


*Vgl. Trotz, Johnny. Die studentische Parallelgesellschaft. In: Café Anno – Biergetränkte Zitate aus der Josefstadt. Wien 2008.

Eine Reaktion zu “Herrn Vogels fröhliches EM-Tagebuch, Teil 1: Es hat Fußball!”

  1. Johnny Trotz

    Ich freu mich schon auf die gebloggten streitgespräche!