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Feel Free to Masturbate: GV-Briefwechsel ohne Fummeln. (3)

28. Juli 2008 von Johnny Trotz

Miss F.!
Ich versuche mich kurz zu fassen: Rot.

Na gut, vielleicht war die Beantwortung ihrer Sexfarbenfrage etwas zu kurz, aber man muss doch bitte die Aufmerksamkeitsspanne des Durchschnittslesers berücksichtigen. Apropos Aufmerksamkeitsspanne: Vielleicht ist die Dauer des Geschlechtsakts, die uns im gesamtgesellschaftlichen Diskurs vorgeschlagen wird, einfach ungleich größer als es unsere Web-2.0-Konzentrationsdauer zulässt.
Will sagen: Kann man es verzeihen, wenn einem nach austarierten Kusszeiträumen, Fummeln, Ausziehen (der Trend zu engen Hosen ist ein Gräuel), mündlicher Kommunikation der Begehrlichkeit des anderen Menschen – Wenn also nach all dem prä-koitalen Procedere bei dem, was in A Clockwork Orange so treffend als „The old in-out-in-out“ bezeichnet wird, die Gedanken abschweifen? Nicht abschweifen: von dannen schwirren?
Weiter gefragt: Wieso gibt es für alle Eventualitäten des GVs Präzedenzfälle galore, die man zu Rate ziehen kann, nicht aber für jenen, bei dem man nach einer längeren Gedankenreise wieder in den Armen der nackten Realität ankommt und dann feststellt, dass man sich noch immer im Akt befindet? Was macht man dann? Pornöse Stellungswechsel? Aufhören und rauchen? Orgasmus vortäuschen und rauchen?
Wie löst man dieses Situation, die rein gar nichts mit der Begehrlichkeit des Bettkumpanen zu tun hat, sondern eher mit der Dauer der unveränderten Situation und meiner Unfähigkeit, längere Zeit etwas zu tun ohne über kurz oder lang über die Glassymbolik in The Catcher in the Rye nachzudenken?
An dieser Stelle würde ich gerne über die diskursive Spannung des Sex-Begriffes erzählen, über die Natur, die Kultur und das Natürliche – und die Implikationen dieses semiotischen Problemfelds für den Geschlechsakt. Aber ich habe die Aufmerksamkeit der Leserschaft schon genug strapaziert.
Bleiben sie mir gewogen!
Johnny Trotz

6 Reaktionen zu “Feel Free to Masturbate: GV-Briefwechsel ohne Fummeln. (3)”

  1. herr vogel

    Du kannst und willst keinen Sex haben, weil es dir nicht möglich ist, eine zeitlang mal nicht über Künstlerischtiefgründiges nachzudenken?

  2. Johnny Trotz

    oh nein. ich weiß nur nicht, wie man sich verhalten soll, wenn man beim GV mit den gedanken abschweift. Das hat absolut nichts mit morrissey oder mir zu tun, heheh.

  3. Der Wassertrinker

    ich finde euch grossartig

  4. LMB

    Trotz!

    Bitte vergiss nicht, dass sehr oft über das Abschweifen der Gedanken während dem Sex gesprochen wurde… Aus weiblicher Sicht ohnehin, ich meine sogar mich an diverse Filmszenen, sogar Werbungen erinnern zu können, in welchen diese Thematik aufgegriffen wird. Was diese tun wenn sie die nackte Realität zurückruft? Entweder merken, dass ER schon fertig ist, oder weitermachen, oder vortäuschen oder… was weiß denn ich.
    Aus männlicher Sicht stellt sich das Problem anders dar: Männer SOLLEN abschweifen mit den Gedanken… zumindest wird dies gegen vorzeitigen Samenerguß empfohlen… dieses Abschweifen ist dann allerdings fast gezwungen und nicht richtig abgeschwiffen, aber immerhin. Was Mann dann tut? Endlich kommen? Wenn das nicht mehr funktioniert: Vortäuschen und rauchen. Mein Favorit.

    Deshalb sollte Mann stets warmen Joghurt bei sich führen.

    MfG

    LMB

  5. Johnny Trotz

    Was nützt die liebe in gedanken?
    Ich stimme zu, herr l. marianne b., dass das abschweifen 15jährigen empfohlen wird. aber: ist »alte schrumpelige oma, alte schrumpelige oma«-denken wirklich abschweifen? oder eher ein gezieltes ablenken?

    ihr joghurt-kommentar führt gleich zum fruchtgeschmack der porno-katharsis, ich hoff, das ist ihnen klar.

  6. LMB

    Philosophische Abschweifungen sind eben adulte Koitus verlängernde Maßnahmen!

    Wir reden über Ananas?