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Bloß nicht in Venedig sterben!

15. September 2008 von Johnny Trotz

Ich erinnere mich dunkel daran, dass mein gutaussehender Mitbewohner die Parole 2008 obsolet machte, als das Jahr noch keine zehn Sekunden alt war – durch das Küssen der Angebeteten auf der Flex-Brücke. Die Parole hieß: »2008! Single-Dasein!«

Und seit nunmehr neun Monaten laufe ich motto- und parolenfrei durch das ereignisreiche Jahr. Natürlich, ’08 war auch das »Jahr nach der Kapitulation«, aber diese Hamburgreferenz beschwiegen Neumenschen mit Unverständnis. 

Nun also, da sich der Sommer derart frappant/nass/kalt nach Australien verzogen hat, lief mir eine kleine Parole über den Weg, die ich mir sogleich zu Herzen nahm und die ich, welch Wunder, sogar in meinen MO Einzug halten ließ.

Die Parole heißt selbstverständlich »BLOß NICHT IN VENEDIG STERBEN!« – und man könnte grundfalsch meinen, dass sich das Sterben in Venedig einfach durch Fernbleiben von der Lagunenstadt lösen ließe. Aber nein doch! Das ist metaphorisch gemeint: Nicht in Venedig sterben heißt, nicht soziale Grundkompetenzen wie Konversation, Smalltalk, Flirten und das eindeutig Kommunizierkönnen von Küssinteresse zu verlieren. Wenn man das tut, stirbt man in Venedig.

Damit ich in meiner (alphabetisch geordneten) Privatbibliothek eben diese Grundkompetenzen nicht verliere, bin ich auf ein Date gegangen. Dazu hat mich auch der Wassertrinker ungewollt angehalten. Ein Date, also: Ein Mensch, nicht schön, nicht interessant aber dafür: Philosophiestudent! Und mit denen, so erscheint es mir nach dieser Stichprobe, kann man nicht diskutieren. Immer diese Dekonstruktionsscheiße! Jeder Versuch sei doch ipso facto schon ein Scheitern! Meint dieser Mensch! Ja doch, sage ich! Heine habe ja die schönste Sprache, sagt er! Ich sage: vielleicht! Und er setzt an – und zitiert ein komplettes Gedicht!

Und nein, die Nacht war noch nicht vorbei! Der Mensch sagte: Die schönste Sprache sei ja Altgriechisch! Und er hob an und zitierte die Ilias! Im Hexameter! Auf Altgriechisch! Ich war fasziniert! Und angewidert! Es scheint der Mensch hätte nie aufgehört, wenn ich nicht meinen Wein auf dem Tisch ausgeleert hätte und gegangen wäre!

Hier nun sah ich folgendes ein: Ich werde nicht in Venedig sterben. Sondern dieser Mensch, der nicht merkt, wenn sein hochgestochenes Gelabere Würgreiz induziert, er sogar noch mehr auftischt, wo ich doch schon vor Fremdscham im Boden versinke.

Nach der Flucht ging es mir gut. Auch wenn ich für drei bis vier Jahre raus bin aus der Date-Geschichte. Ist ja nicht zum aushalten.

8 Reaktionen zu “Bloß nicht in Venedig sterben!”

  1. Der Wassertrinker

    also ich kann mich nicht mehr erinnern ob ihc konkret so für dates eingestanden bin, weil allein das wort schon grauenvoll ist und alles was damit an erwartungen und sonstigem verbunden ist.
    Trotzdem hab ich das wort unlängst mehr als inflationär benutzt, gar zur neuen datekonjunktur verholfen, scheinbar :)

    aber an und für sich muss ich sagen stört mich nur das wort. leute treffen hat was gutes. ja, leute treffen die man schon kennt hat meist etwas versöhnliches und auch meist die vericherung dass der abend gut wird. aber die dategeschichte, ja. neue leute treffen.hm. auch gut. also da müssen einege faktoren zusammentreffen um das wirklich zu machen. aber jedenfalls ist es etwas aufregendes, wenn man sich darauf einlässt und nicht zur routine verkommen lässt. und darum lieber herr trotz du bist für die nächsten 3 oder vier jahre raus aus der geschichte? einfach das etikett abnehmen, neu beschriften (wie der billa mit dem fleisch und so ) und weg mit den zwängen. veruschen zumindest.
    ich min es gibt sicher sehr sehr viele interessant emenschen da draussen. keine ummschwätzer, keine ich-leg-mein-hirn-hier-am-tisch-weil-es-so-riesig-ist, oder dasselbe mit anderen dingen machende leute, keine fadesse, keine schrill-schrulls, naja. und was da sonst noch so gibt :)

    nun ja ich muss ja zugeben dass sich meine auswahlkriterien doch sehr auf äusserlichkeiten beschränken.

    und ich befürchte ja mcih hätte der typ ziemlich beeinduckt. und eingeschüchtert. so ein klugian und so. anders auf einer party, wenn ich da mit einem kumpel rumstehn würde und klugian reden sehen würde, würde ich wahrscheinlich ablästern auf teufel komm raus, während ich mein wasser literweise runterschütte.
    apropos. ich mag das bild total, du schüttest deinen wein um und stürmst raus. so toll.

    un ich glaube wir werden nicht in venedig sterben. selbst wenn es manchmal so aussieht. und selbst wenn man am weg dazu ist..man muss nicht. wir werden nicht.

    der sommer ist nun tatsächlich totgeredet worden, wie von dir prophezeit. das ist doof. das strassnefest hätte er ruhig noch bleiben können. ich warte sehnsüchtigst auf eine rückkehr.

    und mit philosophiestudenten kannst mich derzeit ohnehin jagen.
    nicht nur dass sie anscheinend faszinierend sind… iiih. nee . weg damit…

  2. herr vogel

    Ich hatte 2008 zum Single-Jahr erklärt?
    Oh man, mir sollte man am besten gar nichts glauben.

  3. miss f

    Liebe Freunde, je suis arrivée! Paris, c’est moi!
    Mehr davon? bald! auf einem frankreichblog double (2 mal bloggende femmes en france, die bloggen)!

    Genug getease: Herr trotz! ganz meine rede!
    Ich traf – und ich spreche la verité comme toujours- in meiner ersten nacht auf dem studentenheimgelände einen philosophiestudenten aus paris, der vermutlich gleich alt über 30 aussah und auch ganz nett war. Die Sprachbarriere ließ mich nicht recht rausfinden wohin das hinführe und als er mitkommen wollte auf mein zimmer, mir formulare ausfüllen helfen (name, geburtsdatum, sehr kompliziert!), hab ich NON gesagt und er war sehr verwirrt. Jedenfalls hätt ich glaube ich GV haben können, aber will das schon! Das war nicht das, worauf ich hinauswollte, aber egal. Ich muss in die Küche wein trinken gehen! diese deutschen studierenden in paris!

    Bisous!

  4. miss f

    entschuldigt! mein deutsch lässt schon jetzt zu wünschen übrig!

  5. miss f

    ich schäme mich ein bißchen! aber ich fürchte nicht genug, um mit der schleichwerbung nicht einfach munter weiterzumachen!

    Herr Trotz, Herr Vogel, Der Wassertrinker, es wäre mir eine Ehre, wenn Sie ab und zu reinlesen:
    Avez-Vous-Du-Pain? Das Auslands-Brotsuch-Tageblog.

    In alter Tradition hab ich mich selbstverständlich, wenn auch weniger subtil dieses Mal, darauf verlinkt.

  6. Trotz

    wenn sie mir sagen, wo ihr rss-knopf ist, dann bewillkome ich sie gerne in der illustren runde meines feed-readers, miss f.!

  7. miss f

    bonjour. welch ehre! wir sind noch in der fürchterlichen formingphase und verstehen nüsse teilweise. so müsste es aber auch gehen mit unserer adresse +/feed/ sagen die faq.

    also: http://avezvousdupain.wordpress.com/feed/

  8. Lu

    allein in venedig. das könnte grad entweder mein letzter traum oder mein erster buchtitel sein.

    seufzend,

    Lu.