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Der Kaninchenbau

19. September 2008 von herr vogel

The Matrix ist jetzt neun Jahre alt, ich sehe den Film zum vielleicht vierten oder fünften Mal und gerade eben fragte Morpheus nach der Wahl der Pillen: blau oder rot. Folge dem Kaninchen und alles. Die Rezeption eines Films ist bei jedem ansehen eine neue, weil der Kontext immer ein neuer ist; sowohl der des Films und der Kultur als auch der persönliche Kontext des Zuschauers. Ich habe The Matrix jetzt also vier oder fünf Mal angeschaut und doch jedes Mal einen anderen Film gesehen. Und damit geht’s einem ein bißchen wie Neo, der in die Matrix zurückkehrt, nachdem er befreit wurde. In dem Laden hat Neo früher mal gegessen und bei der Einstellung hab ich als Fünfzehnjähriger im Kino gesessen und die Welt nicht mehr verstanden.

Und seit dem bin ich verloren im Kaninchenbau der Filmwelt. Irgendwie vermehrt sich da alles und am Ende fängt man doch wieder von vorn an. Alles was mich vorangetrieben hat waren die Filme und der Wunsch, sie zu verstehen. Deshalb das Studium, deshalb das andere Land, deshalb alles. Und wenn ich jetzt zurückblicke auf das, was da mal war, dann ist das so, wie nochmal Matrix zu gucken. Und überraschend vor allem, weil so wenig nostalgisch. Weil alles ist noch da, da wo’s immer war, da wo’s hingehört. Und natürlich ist es nicht mehr dasselbe, aber es ist noch da. Und auf dem Weg war viel Arroganz, viel Orientierungslosigkeit und wenn man’s genau nimmt, dann lag auf dem Weg mehr Nostalgie als im späteren Blick zurück.

Er kann nicht behaupten zur Ruhe gekommen oder etwa irgendwo angekommen zu sein. Das einzige was sich geändert hat ist der Blick auf die Dinge. Der ist gelassener geworden, ein wenig. Er muss die Vergangenheit nicht mehr im Staub zerfallen lassen, auch wenn er sich das wieder gefallen lassen muss. Bestimmt. Zu cool ist er geworden, wiedermal, und er interessiert sich nicht mehr. Kümmern tut er sich schon gar nicht. Dabei ist es einfach die Freiheit, mitten im Text die Erzählperspektive zu wechseln. Und mir ist das total egal, weil es ist mein Text. Und es ist meine Perspektive. Und ich fahr die Karre halt in den Ozean wenn ich das will.

2 Reaktionen zu “Der Kaninchenbau”

  1. Trotz

    oh ja!

  2. herr vogel

    Und dann denk ich mir wieder, die letzten drei Sätze mit dem »Ich tu was ich will« sind ja wieder total pubertär, ein rebellischer Ausbruch sozusagen, weil man ja eigentlich schon weiß, dass es eben nicht immer nur um einen selbst geht. Natürlich glaubt man das ganz gerne mal.