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Feel Free to Masturbate: GV-Briefwechsel ohne Fummeln. (8)

2. September 2008 von Miss Flanders

Mein verehrter Johnny Trotz,

Vielen Dank für Ihre letzten Zeilen. So müsste das in der Bravo stehen! Dann hätte ich schon 12 Jahre früher gewusst, dass hinter Liebe mehr als Händehalten zu Sonnenuntergängen steckt. Auch wenn ich den Unmut unseres Wassertrinkers ein weiteres Mal auf mich ziehe, muss es gesagt werden: Liebe stört, macht blind, blöd und abhängig. Das wahrhaftig Faszinierende ist aber, dass Menschen dennoch oder gerade deswegen überall und unaufhörlich schalmeien: „Ich bin zwar sexuell befreit, aber trotzdem, werte Amore, bitte behindere und irritiere auch mich!“. Lieber Nils, vielleicht denkst du immer noch, ich wäre herzenskalt („wie der Winter und Hitler zusammen“), aber was ist, wenn ich sage: Insgeheim schalmeie auch ich?

Herr Trotz, liebe Leser, ich entschuldige mich sogleich für diese unverzeihliche Rührseligkeit eben. Das muss am wochenlangen Konsum von Monogamie-Werbefilmen liegen! Eklige Perfektionsromantik, vorwiegend aus Hollywood. Da, wo die, die lieben auch immer großartigen Sex haben. Und die, die Sex haben auch immer großartig lieben. Wie in der Bravo! Vielleicht ist die Bravo tatsächlich das verzeitschriftlichte Pendant zu Keinohrhasen und Co., das deutschsprachige Monogamie-Reklameprospekt mit sexy Starschnitt.

Mein ganz persönliches Unverhältnis zu GV hat jedenfalls zu großen Teilen mit der darin befindlichen Rubrik „Das Erste Mal“ zu tun. Aber verstehen Sie mich nicht falsch, Herr Trotz, ich spreche nicht von den Voraussagen kurzer, stechender Schmerzen oder NichtwissenwohinmitdenHänden in diesen Schilderungen von erstem DreimalX (Sex!). Es ist vielmehr der erwartungsvolle Subtext, demzufolge allerhöchste Perfektion an den GV- Ablauf gestellt wird. Eltern ausschalten, die neue Kuschelrock-LP, zu Herzen drapierte Rosenblätter und Unmengen von brennenden Qualitätskerzen. Das Diktat vom Gemeinsamkommen, nicht zu vergessen! Mit den aktiven Jahren entwickelte sich bei mir eine Art Sex-Panik, die Sie sich – veranschaulicht durch folgenden inneren, präsexuellen Monolog – ungefähr so vorstellen müssen: „Das Licht ist aber gedämpfter als vorher. Hm, da drüben brennt ja eine Duftkerze. Seit wann läuft eigentlich diese stimulierende CD?“. Kurze Denkpause. „Ach, du Schreck! Jetzt gibt’s gleich Sex!“. Ein Gefühl wie vor der Fahrprüfung. Mit Bloßnichtversagen, weil Allekönnendas. Die Bravo ist also, wieder mal an allem schuld!

Aber so schlimm ist das gar nicht, werter Herr Trotz, denn ich darf Ihnen von einer unglaublichen Entdeckung berichten. Das ultimative Analgetikum (mein neues Lieblingswort) gegen GV-Verdrossenheit! Mit dem Nackt-Scanner von Jamba nämlich, benötigt man jediglich ein Foto seines Schwarms, um jenen daraufhin unverhüllt bestaunen zu können. Herr Trotz, wo ist eigentlich das Brigaden-Familienalbum?

Ich bin übrigens eine schreckliche Fahrerin.

Herzliche Kuschelrockgrüße,
Miss F.

Eine Reaktion zu “Feel Free to Masturbate: GV-Briefwechsel ohne Fummeln. (8)”

  1. Der Wassertrinker

    finde die führerscheinanalogie sehr witzig und interessant. wenn ich bedenk dass ich 3 oder vier mal in der theorie durchgeflogen bin. hm. genaueres hab ich verdrängt :)

    mTVMTVMTV: oida, du wüst wissn wia deine freind nokat ausschaun? Check da die neuche Jamba röntgen-brün. Sende »Nokat 1″ an …

    ja, liebe stört, macht blind und abhängig. nicht-liebe aba auch :)