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Feel Free to Masturbate: GV-Briefwechsel ohne Fummeln. (10)

22. Oktober 2008 von Miss Flanders

Mon Cher Johnny Trotz,

Ich muss dir Recht geben. Ja, ich hab mich in Paris verkrochen!
Aber nicht nur, wie Sie Monsieur richtig feststellten, um Brot zu photographieren (die schöne, auch französische Schreibweise mit doppel-h! Vielen Dank!), ich befürchte weiters, dass ich mich vor allem aus folgendem Grund natürlich zurückziehen muss: Ich bin in dem(!) GV-Land schlechthin gelandet.

Lieber Herr Trotz, ich spreche aber weniger von mich möglicherweise einschüchternden, universal zugegenen Kondomautomaten (in U-Bahnstationen oder neben Sitzgelegenheiten vor Cafés) oder phallisch anmutenden Baguettes, die in bestimmt stimulierender Absicht durch die Gegend getragen werden. Ich weiß auch nicht, ob es wirklich Frankreich bzw. Paris ist. Vielleicht ist es eher ein typisches Erasmus-Phänomen. Unterm Strich oder wohl besser gesagt: unter der Gürtellinie, bin ich jedenfalls – und Oliver wäre es bestimmt auch – sexuell verunsichert. Zur Abwechslung aber nicht der Orientierung wegen, wie in Olivers Fall, oder der Versagensangst an den eigenen Erwartungen, wie vielleicht in meinem Fall. Ich glaube, es liegt vielmehr an den anderen, mir unbekannten Sex-Codes. Warum wir ohne weiteres eine EU bilden können, mit einheitlicher Währung und Gesetzen und dann daran scheitern, standardisierte, länderübergreifende Euphemismen für »Willst du mit mir schlafen?« festzulegen, ist mir und vielleicht auch Ihnen ein Rätsel.
Möglicherweise tue ich diesen Menschen auch Unrecht, wenn ich ihnen schon nach dem ersten Aufeinandertreffen gleich wie folgt, horizontale Gedanken unterstelle.
Folgende Top 3 an GV-Codes haben mich jedenfalls auf eine harte Kombinationsprobe gestellt:
1.«Ich helf dir die Formulare ausfüllen. Wo ist dein Zimmer?«
2.«You wanna see a picture of me with short hair? It’s in my room on the computer.«
3.«Lass uns da (ich ergänze: die gruselige, dunkle Stiege) rauf gehen. Dann zeig ich dir mein altes Chemie-Laboratorium.«

Was ist nur aus der guten, alten Briefmarken- bzw. Plattensammlung geworden? Glauben Sie eventuell auch, werter Herr Trotz, dass diese GV-Verschleierungstaktiken heutzutage von trauriger Notwendigkeit geworden sind? Müssen Menschen, aufgrund der von uns mehrmals festgestellten rückläufigen Paarungsbereitschaft gezwungenermaßen zu GV-Botschaften greifen, die nur wenige sofort zu decodieren vermögen, um so ihre ohnehin geringen Sex-Chancen etwas zu erhöhen? Ganz im Sinne von »to trick somebody into sex«?
Ich glaube, ich vermisse dahingehend wieder einmal die 90er! Ich behaupte, da waren die Sexcodes doch sowohl für Praktizierende, als auch Nicht-Praktizierende entdeutiger zu knacken. Wenn man es treiben wollte, trug man Netzhemden, die die Nippel durchscheinen ließen und hörte E-Rotic zusammen. Wahlweise »Fred come to bed« oder »Help Me Dr. Dick«. Die, die es tun wollten, taten es daraufhin. Und die, die keinen Bock auf Technoficks hatten, haben ihre Blusen bis nach oben zugeknöpft getragen und hörten lieber weiter Oli P. oder Just Friends.

Tiefe Französische Grüße aus dem Land, wo Smegma und Speichel en masse fließen.
Ihre Miss F.

P.S.: Ich begebe mich bereits auf eine abenteuerliche Recherche bezüglich französischen Bravo-Pendants. Was wäre ich denn für eine Miss F., wenn ich hier in Paris nicht auf das Pferd für inter-nationale GV-Vergleiche aufspringen würde?!
**
P.P.S: Vielleicht sollten wir wieder direkt unser Wort an den lieben Wassertrinker richten. Ein Kommentar wäre uns sicher!

3 Reaktionen zu “Feel Free to Masturbate: GV-Briefwechsel ohne Fummeln. (10)”

  1. Der Wassertrinker

    und prompt.
    also ich weiss du hast nur unabsichtlich »max don’t have sex with your ex« vergessen. und witzigerweise habe ich unlängst an eben diese drei grossen hits der 90er denken müssen ( die ähnlich wie bei modern talking ja eigentlich nur ein variierter hit sind…)
    und miss f. laut ihren beschreibungen bin ich fest davon überzeugt die neunziger verpasst zu haben.. weder nippel, noch netzhemden, weder oli p. noch just friends nur ab und zu ein bisschen weinen zu den prinzen und »the winner takes it all« welches e-rotic gecovert haben..bummbummbumbummmm

    uuuhund miss flanders…ich liebe bitte diesen grossartigen 3. gv-code… also das alte chemie labour zu sehen..wär doch schon was…und dann zusammen bride of frankenstein gucken..en francais, bien sur.

    und da es kein altes chemielabor und nur eine übelriechende stiege in meinem haus gibt…werde ich mir wohl briefmarken und platten zulegen müssen. jawohl.

    aber schlussendlich ist sowieso alles falsch..weil kein schwein irgendwelche codes zu lesen vermag..weil keiner weiß wie der /die andere irgendwas meint..
    ich will nur sagen..ein paar sind sicher entrüstet (gar entsetzt) wenn sich rausstellt dass es gar keine briefmarken gibt..und andere extrem enntäuscht wenn ich in der geheimen lade rumkrame udn ein langweiliges briefmarkenalbum raushole..

    wie mein alter herr immer zu sagen pflegt ( und der hats aus der alten grauslichen wienerseele entlehnt, nehm ich mal stark an) »wie’sd as mochst is foisch«

  2. miss f

    halleluja!
    So hieß das dritte Lied! Ich muss gestehen, ich hatte es vergessen. moi hatte so ein netzhemd, glaub ich, oder zumindest so nen häßlichen halbnetzpullover, aber natürlich mit was drunter an. Weil in den 9oern ja noch weit entfernt von jeglichem sexuellen Interesse. Eigentlich hab ich mir dieses Jahrzehnt dahingehend eh relativ gut rekonstruiert :D aber ich schweife ab und benutze auch noch emoticons…

    was ich eigentlich sagen wollte: stimmt, vermutlich hat kein schwein ahnung davon, was das andere von ihm will. aber ich glaube schon, dass erstens diese vermaledeite, wenn auch liebliche sprache hier mir das ganze noch mehr erschwert als sonst. und dass ich überhaupt mit jetzt wieder gefühlten neo-18 noch weniger ahnung von tuten und blasen habe (…), als schon im schönen österreich. wie sie’s drehen und wenden, cher wassertrinker, ich verbleibe ob zurecht oder unrecht, befürchte ich, sexuell verwirrt.

    Zum Schluss denke ich noch an: Sexy Eyes von Whigfield und Sexy Eis von Bürgerlars Dietrich. Keine Ahnung, warum!

  3. miss f

    ich revidiere:
    es gibt sie doch noch die länderübergreifenden codevarianten!
    »On va chez moi ou chez toi?«
    und so und nicht anders, steht das sogar im hueber großer lernwortschatz.