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	<title>Die Brigade &#124; blog-briga.de &#187; Verlorene Texte</title>
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		<title>Das Ende meiner Leistungssportkarriere</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Jul 2008 15:45:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johnny Trotz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Verlorene Texte]]></category>

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		<description><![CDATA[Meine tief empfundene Abneigung gegen jedwede körperliche Betätigung &#8211; und ganz besonders jene ohne ersichtlichen Zweck &#8211; ist zwar nicht neu, war aber keinesfalls schon immer vorhanden. Zugegeben, Fußball war mir immer schon egal, aber früher war ich nicht generell-dogmatisch gegen Sport. Nein, ich war dafür. Und ich sportelte sogar mit.
Die Suche nach einem passenden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Meine tief empfundene Abneigung gegen jedwede körperliche Betätigung &#8211; und ganz besonders jene ohne ersichtlichen Zweck &#8211; ist zwar nicht neu, war aber keinesfalls schon immer vorhanden. Zugegeben, Fußball war mir immer schon egal, aber früher war ich nicht generell-dogmatisch gegen Sport. Nein, ich war dafür. Und ich sportelte sogar mit.</p>
<p>Die Suche nach einem passenden Sport (der nicht Fußball hieß) erwies sich im München der Frühneunziger als schwierig. Yoga war noch auf Jutehosen-tragende Althippies abgezielt, für Schach war ich zu unaufmerksam, für Turnen zu ungelenk und für Judo zu sehr Brillenträger.</p>
<p>Über eine Reihe von fürchterlich langweiligen Zufällen kam ich also zum Hockey. Feldhockey, nicht Eishockey. Wäre es Eishockey gewesen, wäre es nicht zu dem genderrelevanten Zwischenfall gekommen, der später kurz geschildert werden soll.<br />
Hockey hatte alles, was ein Sport braucht: Rote und gelbe Karten, Team-Spirit (ich zitiere: „Wir begrüßen den Schiedsrichter und das gegnerische Team und freuen uns auf ein faires Spiel“), zwei Tore, eine Stutze an jedem Wadl und Torwarte, die aussahen wie Sturmtruppler aus Star Wars.<br />
Und ich trainierte fleißig, Sommers outdoors und winters indoors, und war ich war so schlecht nicht.<br />
Dann endete meine Hockeykarriere sehr plötzlich. Und das ist meiner Meinung nach durchaus genderdiskussionsrelevant.<span id="more-799"></span></p>
<p>Es war Hochsommer, die Sonne brannte und war egal. Ich war zwölf, half in der Mannschaft der Dreizehnjährigen als Verteidiger aus und wir spielten gegen den HC Wacker. HC heisst Hockey-Club, aber das ist irrelevant. Hingegen ungemein relevant ist es, dass sich <em>Wacker</em> auf <em>Fucker </em>reimt. Nein, falsch, es war relevant, geradezu essentiell. Zumindest vor dem Spiel, in unserer Umkleidekabine.<br />
Das Spiel begann, wir erinnern uns: „Wir begrüßen den Schiedsrichter und das gegnerische Team und freuen uns auf ein faires Spiel“ und der HC Wacker begann uns fertig zu machen. Die Gegner waren nicht nur technisch besser, sie waren auch schneller, hatten eine Taktik, die unserem „Alle die noch können laufen dem Ball nach“ mehr als überlegen war, und, ganz wichtig: die Gegner waren Mädchen. Und zwar nicht die netten, süßen, denen man schüchtern ein Stück vom Geburtstagskuchen anbietet, sondern die, die zwei Köpfe größer sind als man selbst und die ihre generell breitschultrig-furchteinflößende Gestalt noch mit einem kopfverkleinernden Kurzhaarschnitt akzentuieren.<br />
Nun, wir lagen hinten, die Damen waren mal wieder im Angriff, die Spielführerin legte sich den Ball in den Schusskreis, und zog voll ab. Ich war mir meiner Verteidigerrolle voll bewusst, und passender weise flog die Kugel mit ansteigender Flugbahn auch genau in meine Richtung. Ich nahm meinen Schläger, hielt ihn mir schützend vor dem Bauchnabel und sprang hoch, um die Kugel zu stoppen.<br />
Sie ahnen es schon: meine in letzter Zeit schnell gewachsenen Füße katapultierten mich etwas zu hoch, und diese zwei entscheidenden Handbreit machten meine als verteidigende Heldentat gedachte Aktion zu einer Zeitlupenszene, die mir heutzutage auf YouTube Clicks ohne Ende bescheren würde.<br />
Der Hartplastikkugel schlug, von vorne unten mit Urkraft geschlagen, genau dort ein, wo es weh tut. Und wo es besonders wehtut, wenn die dort ansässigen Hormondrüsen um das zwölfte Lebensjahr herum plötzlich anfangen, das seit der Geburt langsam wachsende Körperbauwerk einer Generalrenovierung samt Anbau zu unterziehen. Vielleicht können sie mir beipflichten: Mit zwölf ist diese Gegend des Körpers explizit empfindlich, sowohl was Angriffe auf die Privatsphäre angeht als auch im Bezug auf schmerzerzeugende Einschläge aller Arten.<br />
Noch in der Luft klappte ich zusammen, klatschte wie ein nasser Sack auf den Kunstrasen und schrie in Ebryonalstellung heraus, was meine Lungen noch hervorbrachte. Der unparteiische Schiedsricher ließ natürlich weiterspielen, und die Wacker-Girls schossen, wen überrascht es, noch ein Tor.<br />
Meine Agonie war aber noch nicht ganz zu Ende: Verletzungen an und für sich sind ja ungemein interessant, und solange sie nicht bluten, schaut auch jeder hin, bis er oder sie verscheucht wird. Um mich bildete sich also ein Kreis von interessierten Mitspielern und Gegnerinnen, bis dann, Sekunden später, ein glockenhelles „Lasst mich doch mal durch, ich bin Krankenschwester“ den Kreis der Schaulustigen kurzzeitig öffnete. Ich war noch halb besinnungslos, aber an das hier erinnere ich mich genau. Die Frau Krankenschwester stellte mich auf die Beine und entledigte mich schnurstracks jeglicher Kleidung, die die Quelle des Nerven-zerrüttenden Schmerzes bedeckte.<br />
Wie der HC Wacker in seiner truppenstarken Fraulichkeit auf den Anblick meines damals eher wurmigen als phallischen Genitals reagierte, habe ich dankbarer weise verdrängt, aber weggeschaut haben sie sicher nicht. Die Frau Krankenschwester stellte mit einigen routinierter und alles andere als sanften Griffen fest, dass nichts dauerhaft kaputt war. Als ob man das ohne eingehenden medizinische Ausbildung und mit wenigen Griffen herausfinden könnte.<br />
Ich zog mir vor versammelter Frauschaft also mein Hose wieder hoch, hinkte zum Spielfeldrand, blickte kurz zurück um zu sehen, dass wir noch eins kassiert hatten, stieg ins Auto und habe seitdem keinen Hockeyschläger mehr angefasst.</p>
<p>Gender und so.</p>
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		<title>daft punk is playing at my house</title>
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		<pubDate>Wed, 05 Dec 2007 00:18:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herr vogel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neue Befindlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Verlorene Texte]]></category>

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		<description><![CDATA[Zum Anlass der &#0187;Neuen Befindlichkeit&#0171;, die ja seit ein paar Tagen hier herrscht, habe ich mal im Archiv gekramt (sozusagen in der alten Befindlichkeit). Und da flogen ein paar Texte rum, die ich nie veröffentlicht habe, oder wenn, dann nur in einem kleinen Kreis. Das hier ist dann sozusagen der Auftaktbeitrag der &#0187;Verlorenen Texte&#0171;. Ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zum Anlass der &#0187;Neuen Befindlichkeit&#0171;, die ja seit ein paar Tagen hier herrscht, habe ich mal im Archiv gekramt (sozusagen in der <em>alten Befindlichkeit</em>). Und da flogen ein paar Texte rum, die ich nie veröffentlicht habe, oder wenn, dann nur in einem kleinen Kreis. Das hier ist dann sozusagen der Auftaktbeitrag der &#0187;Verlorenen Texte&#0171;. Ist über ein Jahr alt und &#8211; Oh Wunder &#8211; schließt thematisch den Kreis zum vorherigen Eintrag:</p>
<p><span id="more-568"></span></p>
<p>&#8230;</p>
<p>Wir schreiben den 14. September 2006. Hier und jetzt beginnt ein neues Kapitel, im Zug von Köln nach Wien, kurz hinter Köln-Scheißvorort. Und dieses Kapitel startet mit einer Liebeserklärung: Ich hasse Köln &#8211; Aus tiefstem Herzen. Wenn ich diesen ewig baufälligen Dom, den Bahnhof daneben und die gesamte Hektik der Straßen nur sehe, könnte ich der versammelten Starbucks-Gesellschaft umgehend vor die schicken Füße kotzen. Ich weiß auch nicht, woher diese Abneigung kommt. Es ist nichtmal wegen der filmwissenschaftlichen Fakultät, die mich seinerzeit auslachte, als ich an ihre elitären Pforten klopfte; Es ist vielmehr dieses Herausgeputzte, Unnatürliche, das Schicke und das Gehetzte an dieser Stadt. Sicherlich mag es auch gemütliche Ecken geben (bei irgendwem im Wohnzimmer schätzungsweise), aber dennoch ist mir diese Stadt unsympathisch: Von Dom bis Karneval, von RTL bis Geißbock.</p>
<p>Dieser zügellose Hass musste einfach mal sein. Ich habe vor kurzem wieder &#0187;Catcher in the Rye&#0171; gelesen und beschlossen, dass ich eindeutig mehr fluchen sollte. Aus Imagegründen, man bastelt ja permanent an selbigem. Ich bin ja generell ein Mensch, jedenfalls dachte ich das immer, der außer wirklichen Freunden kaum ernsthaft wen an sich heran lässt. Leider ist mir erst vor kurzem aufgefallen, welche Möglichkeiten das für den Rest der Menschen offenbart: Ich kann sein wer ich will, Geschichten erfinden und Scheiße erzählen – und jeder würde es glauben, sofern die Geschichten nicht grad vom Gewinn der Weltmeisterschaft im Ananas-Weitspucken handeln – aber selbst diese ließe sich für einen geübten Lügner einigermaßen glaubhaft vermitteln. Auf jeden Fall habe ich’s mir zur Angewohnheit gemacht, besser gesagt, es ist eine Angewohnheit geworden (und zwar eine dumme), dass ich Menschen, die nach meinem Alter fragen, selbiges erraten und sie dann in dem Glauben lasse, sie hätten damit Recht. Einmal ist das toll für den Ratenden, der sich dann sonst was auf seine Alters-Schätz-Fähigkeiten einbildet und einmal ist das toll für mich, da ich meistens älter geschätzt werde. Und die meisten Leute gehen einfach vollkommen anders mit dir um, wenn sie glauben du wärst 26 oder 28. Jetzt darf man sich natürlich fragen, warum mich jeder für ein paar Jahre älter hält. Whisky, Whisky, Whisky, lautet die Antwort. Oder nein, es liegt am Bart, ziemlich sicher. Andere Methoden, Leute sinn- und grundlos zu verarschen, habe ich bisher nicht herausgefunden, bzw. ausprobiert, denn meistens sage ich ohnehin einfach gar nichts.<br />
Das erinnert mich irgendwie an jemanden aus der Schulzeit: Ein netter, aber etwas verwirrter Kerl mit Hörproblemen, der meist in seiner eigenen Welt versunken schien. Mit seinem Hörgerät drehte er wahrscheinlich die Welt einfach leiser oder lauter wie er wollte. Und während wir alle in den Freistunden in der Raucherecke standen und unsere Gesundheit nachhaltig in die Luft bliesen, saß er alleine an einem Tisch im Gebäude und schrieb. Was er schrieb, wusste keiner. Bis irgendwann das Gerücht auftauchte, er schrieb an einem Science-Fiction-Roman. Schräg, vielleicht ist er der nächste George Lucas, vielleicht aber auch nur der nächste Müllmann um die Ecke &#8211; man weiß es nicht. In jedem Fall, er schrieb und schrieb und schrieb. So besessen war ich nie, leider. Aber mein Plan (der großartige, großartige Plan) für das erste Buch, oder für den ersten wirklichen Versuch, ist bereits wieder ad acta gelegt. Weil irgend so ein Jungspund (Jahrgang 1985), 21 der elende Kerl, eine Idee umsetzte, die ich auch vorhatte: Ausschließlich Songtitel als Kapitelüberschriften zu verwenden. Das mag zwar das einzige sein, was sein reales und mein geplantes Buch gemein haben, aber da dies ein sehr schwerwiegender Aspekt des Gesamtkunstwerkes darstellt, nehme ich dieses gerade erschiene Buch (welches ich übrigens niemals lesen werde) zum Anlass, das Schreiben meines eigenen, ohne Frage preisverdächtigen Buches auf irgendwann später zu verschieben. Ich bin ja noch jung und so weiter. Außerdem ist dieses Kapitel ebenfalls mit einem Songtitel benannt. Und aus Protest gegen die sehr wahrscheinlich tiefgründigen und nachdenklichen Titel dieses aufstrebenden Jungmenschen ist es ein völlig nichts sagender Song, der lediglich mit einem lässigen Namen und groovenden Beat punktet. Ins Gesicht. LCD Soundsystem – Daft Punk Is Playing At My House.</p>
<p>So. Und wir gondeln hier jetzt seit anderthalb Stunden durch die Gegend – Und zwar in die falsche Richtung, da dieser Zug von Köln über Düsseldorf (durch die Brust ins Auge) nach Wien fährt. And don&#8217;t even get me started on Düsseldorf.</p>
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